Der neue Film „Die grausamen Blüten der Adoleszenz“ läuft seit gestern in den Kinos und hat schon am ersten Tag den Zuschauerrekord von „Jackomo Pubertista – Ein Holzkopf sieht rot“ in den Schatten gestellt.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Der Zuschauer wird unversehens in die Morgenszene einer Allerweltsfamilie versetzt und erlebt dort das individuelle Erwachen der Familienmitglieder.
Das könnte langweilig sein, aber der Regisseur schafft es, der Situation eine Tiefe zu verleihen, die in dieser Form schon lange nicht mehr im Kino zu sehen war.

Schon in der ersten Einstellung bleibt die Leinwand sehr dunkel. Zu sehen ist nicht viel, ein paar Schattierungen in grau. Man hört lediglich ein Atmen. Während man sich minutenlang fast schon in einen meditativen Zustand begibt, werden die Schatten langsam eine Nuance heller. Das Atmen wirkt beruhigend und man ist versucht einzuschlafen, als urplötzlich und wie aus dem Nichts ein hohes, rhythmisches Piepen ertönt, dass sofort und ohne Umwege in das zentrale Nervensystem des Zuschauers eindringt.
Dieses Piepen ist der Startschuss für eine Tour de force.

Innerhalb kürzester Zeit sind fast alle Protagonisten des Films auf der Bildfläche und es scheint, sie wollten sich gegenseitig in ihrer Sprachlosigkeit überbieten. Die Erschöpfung ist ihnen so überdeutlich anzusehen, dass zuerst der Eindruck erweckt wird, die Schauspieler chargieren. Lässt sich der Zuschauer jedoch ein bisschen Zeit mit seinem Urteil, so wird deutlich, dass die dargestellte Erschöpfung sich wirklich bis in den hintersten Winkel ihres Seins erstreckt.
Vor allem das Spiel der Mutter beeindruckt durch die Intensität, mit der sie durchscheinen lässt, wie nahe sie daran ist, die Familie zu verlassen.

Der älteste Sohn der Familie, der seinen Auftritt als Höhepunkt des Films zelebrieren darf, wird überzeugend von einem jugendlichen Newcomer gespielt, der diesem Charakter die notwendige Zerrissenheit zwischen Kind und Erwachsenem, zwischen Verpflichtung und Freiheit, zwischen Arschloch und Drecksack verleiht.

Einer der Höhepunkte des Films ist die Szene des morgendlichen Aufbruchs.
Zwei der familieneigenen Kinder sitzen bereits im Auto, welches mit laufendem Motor vor dem Haus steht, die Luft scheint zu knistern, der Zeitdruck springt einen von der Leinwand an.
Die Mutter verlässt noch einmal das Auto, der Motor läuft weiter, sie geht in den Flur des Hauses und beginnt zu schreien. In einem wilden Ausbruch verschaffen sich hier Wut, Frustration, aufgestaute Emotionen ihren Weg in das Außen. Die Mutter, eine glanzvolle Leistung der altgedienten Schauspielerin, der man die eigene Erfahrung als jahrelange Mutter durchaus auch in ihrem Spiel ansieht, erweckt den Eindruck, bald nicht mehr von der Grenze zum Wahnsinn zurückzukehren.

Als dann der Sohn die Treppe herunterschlendert und erklärt, er habe nicht früher ins Bad gekonnt, da es versäumt worden sei, ihm rechtzeitig den Auftrag dazu zu erteilen, nimmt das Drama seinen Lauf.

Es sei nicht zu viel verraten, denn es lohnt sich, diesen Film in Unkenntnis des grandiösen und fulminanten Finales zu sehen, nur so kommt die überraschende und radikale Wendung, die sich vorher mit keinem Hinweis andeutet, auch richtig zur Geltung.

Der Film erhält das Prädikat -Absolut sehenswert-.

„Die grausamen Blüten der Adoleszenz“ (2014)
Ein Film nach dem Drehbuch von B.E. Lavendel
Regie: Maria Montessori
Produzent: Rudi Steiner
Casting: Änni von der Schweiz

Darsteller:
B.E. Lavendel ……………. die Mutter
L.O. Killerdog ……………. das Kind
E.E. Wolkenköpfchen …. das Kind
F.d. Finsternis …………… das Kind
M.H. Gutfrisiert …………..der Vater
Der Hund ………………… der Hund
Das Auto …………………. das Auto

Nominiert für drei Oskars (bestes Drehbuch, bestes Casting, bestes Auto)