Freitag nachmittag, fünfzehn Uhr dreiunddreißig, auf meiner Couch:

Wie bekloppt kann man sein, in der Adoleszenz?

(Ich möchte an dieser Stelle an die empfindsameren Gemüter meiner werten Leserschaft appelieren, sich zum Zwecke des Selbstschutzes genauestens zu überlegen, ob weitergelesen werden kann. Es wird in der Folge zu Schimpfworten, ungebremsten Tiraden und unüberlegten Ausbrüchen kommen.)

Auf die Plätze, fertig, los……..
Kreischkreischkreischkreischkreisch.
Normalerweise vermeide ich lautmalerische Worte. Aber im Moment sind sie angebracht.
Kreischkreischkreisch.

Kaum ist er wieder aufgetaucht, ist er auch schon wieder weg und was soll ich sagen? Ja, was soll ich sagen? Genau. Ich sage: Ein Mädchen.
Nein, ich sage: Ein Mädschen. Und für das Mädschen wird die Schule geschwänzt. Jahaaaa. So ist das nämlich hier. Die Liebste im Internet entdeckt. Verliebt und zack, Hirn aus, Genitalien an.
Wie (Momentchen eben: Kreischkreischkreisch! Ja, danke, weiter!) wenig kann man denken? Nun war er wegen Ein Mädschen ja bereits acht Tage untergetaucht. Die Wogen gingen hinauf und hinunter, man muss sich das einteilen, wie sehr man sich aufregt, denn das Kontingent ist ja auch nicht unbegrenzt. Ein bisschen Gezeter und ein Pfund Liebesentzug, dann geht es wieder weiter.

Aber direkt nach drei Tagen auf dem Weg zur Schule rechts abzubiegen, den Bahnhof anzuvisieren und gleich wieder zu Ein Mädschen zu entschwinden…, ja, blöd. Dann auch noch bei F a c e b o o k das sofort entstandene Erotikfoto mit Schlauchbootlippenoptik zu posten, das führt unweigerlich zu Kreischkreischkreischkreischkreisch.

Was für ein mieser Penner, Arschgesicht, Verräter mütterlicher Zuneigung, Vollidiot, Trottel, hirnrissiger Hormonbolzen, elender Wurm Dummkopf.
Ich meine, wenn er diese verflluchte Kacke schon immer so auf die Spitze treiben muss, dieser dämlackelige Vollhorst so ungeschickt ist, die Spuren nicht gut zu verwischen, dann muss man sich doch fragen, ob er zu blöd zum Nase putzen ist, zu blöd zum Schuhe zubinden, zu dämlich für die Welt mit seinen Ohren das Geräuschspektrum eines Knalls nicht erkennt.

Diese verschissene Pubertät, in der er sich aufführt wie ein gehirnamputiertes Wollknäuel auf Speed , wie es scheint, ein bisschen verloren hat, muss doch irgendwann einmal ein Ende haben? Oder?

Ich möchte ihm eins aufs Maul hauen und ihn ohne Essen in sein stinkendes und zugemülltes Bett jagen, ihn im Keller anketten bei Wasser und Brot, ihm für ein Jahr den Frisörbesuch verbieten, seinen Rasierer verstecken, ihm die Schamhaarrasur (sehr schönes Wort, nebenbei bemerkt, denn ja, man darf den Blick für die schönen Dinge des Lebens nicht verlieren!) untersagen, wie auch, der Rasierer ist eh weg, ihm das ins Essen mischen, was es in Amerikas Gefängnissen für die Gefangenen gibt, damit sie sich nicht ständig gegenseitig unter der Dusche……Ihr wisst schon, was ich meine, ich will ihn mit dem Kochlöffel einmal um den Pudding kloppen sehr gern durch diese schwere Zeit hindurchhelfen.

Nun, es scheint, die Antwort auf die Frage, wie bekloppt man in der Adoleszenz sein kann, muss lauten:

Trilliardenmillionenmilliardenzweiundvierzig.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Samstag mittag, zwölf Uhr dreißig, auf meiner Couch:
Einundzwanzig Stunden später ist die Wut verraucht und es bleibt nur ein leichtes Qualmen im Kopf als Zeuge der vorausgegangenen Erregung. 

Insgesamt schleichen natürlich noch Gedanken in meinem Kopf herum, die auf unschöne Art und Weise die Existenz gewisser Burschen verfluchen, aber sie sind deutlich weniger raumfordernd und vermutlich bis zu seiner Wiederkehr in der Nacht von Sonntag auf Montag, geschätzt um ein Uhr zwanzig, mit der letzten Bahn, auch gänzlich entschwunden. 

Jetzt heißt es Energien sammeln für den nächsten Ausbruch und hoffen, dass er, der Adoleszentriker, nicht greifbar ist, wenn die große Zorneswelle ein weiteres Mal in mir herumwogt und ich vermutlich nicht mehr allzuweit von einem ernsthaften Problem mit meinem Bludruck entfernt bin. 
Natürlich würde ich es bevorzugen, würde mein geliebter Fürst der Finsternis es ganz einfach unterlassen, mir eine Wutrakete reinzuschieben und mich auf den Mond zu schießen. Aber das sind nur fromme Wünsche und es muss klar sein, dass er jetzt leider, bedauerlicherweise, zum Entsetzen aller Atome, die je existierten, dazu nicht in der Lage ist.
Und sollte sich jetzt jemand bemüßigt fühlen, mir mit auf den Weg zu geben, ich könne die Raketeneinführöffnung doch verschließen, ich müsse da nun nicht jeden reinlassen, möchte ich mitteilen, dass mir dieser Gedanke durchaus auch schon gekommen ist. Leider entzieht sich dieser Bereich gänzlich meiner willentlichen Kontrolle.
Jesses.