Es ist seltsam, wenn man merkt, wie sich in dem Organ der Erregungsherstellung eine Form von Hornhaut bildet. Es braucht wohlmöglich eine immer höhere Reizdosis, um Erregung und Aufregung zu erzeugen.
Durch den täglich Gebrauch entsteht auch eine Abnutzungserscheinung und eine verminderte Reizleitung.
So werden heutzutage schon zufällig aufgetauchte Müllfragmente auf dem Kriechspeicher mit einem Schulterzucken abgetan. Die Frage, ob es normal ist, leere Würstchengläser mit noch darin befindlichem, bis dahin arg schimmeligem Wurstwasser auf dem Kriechspeicher zu verstauen, stellt sich nicht einmal mehr. Man tut es mit einem Schulterzucken ab und wendet sich dem eigentlich Plan zu, nämlich mal zu schauen, ob es möglich ist, mit ohne Geld und ohne Material den Durchzug durch das Obergeschoss zu stoppen.

Nein, ist es nicht, trotzdem hat man ein gutes Werk getan, man hat den Müll entsorgt, bevor die Ratten sich unter das Dach setzen. Prima.

Sehr beliebt in Zeiten wie diesen ist das Spazierengehen durch den Wald, weil es den Kopf frei pustet. So wird zumindest behauptet. Nun, ich möchte hier einige Fotos präsentieren vom letzten Spaziergang.

(Ein Moorbad ein Scheiß dagegen

(Ein Moorbad ein Scheiß dagegen!)

(Zu zweit macht es deutlich mehr Spaß. Oder? Ja, Sehr lustig, vor allem die Schmatzgeräusche beim laufen und den Beinaheverlust des Schuhwerks durch

(Zu zweit macht es deutlich mehr Spaß. Oder? Ja, sehr lustig, vor allem die Schmatzgeräusche beim Laufen und der Beinaheverlust des Schuhwerks durch Adhäsionskräfte.)

Doch, ein in der Tat erheiternder Vorgang, so ein kleiner Waldspaziergang, begleitet von den Höhen des feuchtwarmkalten Rheinlandwetters. Wo einem der Fissel aus den Wolken bis in die Hose kriecht. Die Laune war sensationell.

(Mitten im Wald, wie idyllisch, der  kleine Friedhof.)

(Mitten im Wald, wie idyllisch, der kleine Friedhof.)

So beschlossen wir, finsteren Gedanken, schlechtem Wetter und gammeligem Wurstwasser ein Schnippchen zu schlagen und uns aufzumachen in die vermeintlich tröstende Konsumwelt. Für die Teelichter beim Möbelladen reicht das Budget doch gerade noch. Und ein Schelm, wer jetzt schon ruft: „Teelichter? Nie im Leben kommst du mit einem Beutel Teelichter aus dem Laden!“
„Doch, ich kann das!“, rufe ich zurück, weiß aber im gleichen Moment bereits, das es sich hierbei um eine faustdicke Lüge handelt.
So kam es, wie es kommen musste, es fand sich dies und das im Möbelladen und noch ein bisschen mehr (wobei es absolut hirnverbrannt ist, samstagmittags in dieses Geschäft zu fahren, wo all die Köttbullar-Junkies sich versammeln).
Leuchtpickel, Kisten, Klobürsten, Scheren, was man eben so braucht. Leider vergaß ich die Teelichter. Aber es ist ja nicht so weit bis dahin, ich kann durchaus noch einmal dort vorbeihuschen und nur einen Beutel Teelichter kaufen. Natürlich!

Was mir die Stimmung sehr erhellte und die Volkstrauertagstimmung endgültig verscheuchte, kann ich mit Worten kaum beschreiben. Diese Süße, diese Verlockung und diese wunderbare Größe!

Colaflasche

Doch, ich liebe mein Leben.
Was sind schon durch triebhaftes Verhalten außer Gefecht gesetzte Verwandte? Was ist ein Wurstwasserglas und diverse Keksverpackungen sowie ein schimmeliges Kirschenglas auf dem Kriechspeicher?
Was ist ein tausendmal gegen die Wand geschossener Ball? Was ist eine drei Stunden lang andauernde, auf Holzboden über meinem Kopf befindliche Ballettsprungübung?
Was ist eine gemütliche Stunde mit einer Fingerübung an der Gitarre, die sich intensiv mit einem einzigen Riff beschäftigt?
Nichts. Denn ich habe Hornhaut im Erregungszentrum und eine Colaflasche.