Im Wald finden sich sonderbare Dinge.
Einmal stand ein Staubsauger sehr allein in der Welt herum. Ein anderes Mal wurden Überreste von Brause und Gezündel gesichtet.
Bei einem Spaziergang mit dem Hund kam es dazu, dass der Hund plötzlich kauend und schmatzend vor mir stand, ich ihm schnell und prompt das zu Kauende aus dem Mund fischte und ich mich Aug in Aug mit dem Kopf eines nicht mehr frischen Fisches wiederfand.
Ich sinnierte mehrere Tage darüber, wie ein Fischkopf in den Wald kommen könnte, bis mir ein Reiher, ein silbergrauer, sehr großer Reiher über den Weg flog. Vielleicht war der Fischkopf aus einem Teich für Zierfische. Möglicherweise ein preisgekröhnter Koi-Karpfen.

Jetzt ging ich erst vor wenigen Tagen wieder einmal strammen Schrittes zwischen den Bäumen hindurch und dachte einfach nichts. Oder versuchte es zumindest. Ich hatte ja von Killerdog eine sehr eindrückliche Erklärung und Anweisung erhalten, wie man nichts denkt. Es wollte zwar nicht so recht funktionieren, aber so beschränkte sich das Denken eben darauf, wie ich es schaffen könnte, an nichts zu denken.
Und dann leuchtete plötzlich etwas aus dem Wald heraus. Aus dem Augenwinkel nahm ich es wahr. Dahinten!

Da war doch was!
Und wie ich nun bin, neugierig eben, eine Schnippnase, stapfte ich durch die raschelnden Blätter in Richtung dieses gelben Irgendwas.

Im Näherkommen zeigte sich dieses:gelb

Wie jetzt? Noch ein bisschen näher ran.

Henkelmann oder Thermoskanne?

Mir scheint, der Waldschrat hat sein Henkelmännchen im Wald vergessen. Hatte er Erbsensuppe oder FAK* dabei?
Und warum hat er nicht später nochmal nachgeschaut, nachdem seine Waldschratfrau ihm mordsmäßig in den Hintern getreten hat, weil er den guten Henkelmann, den er doch von Tante Tusnelda zum Geburtstag bekam, im Wald hatte stehen lassen.
Wenn Tante Tusnelda das nächste Mal kommt und dieser Henkelmann nicht da ist, wenn sie fragt, wie sie es immer tut: „Nun, mein lieber Waldschrat, wo ist denn das hübsche gelbe Henkelmännchen, das ich dir schonkte? Lass mich doch einmal hineinsehen, ob du es auch immer so fein ausspülst, wie ich es dir befahl!“, und der Henkelmann ist nicht da, dann werden die Waldschrats enterbt.
Dann wird nichts daraus, eine neue Waldschratbude auf dem schönen großen Grundstück am Bach zu bauen, weil Tante Tusnelda all ihre Kröten (gültiges Zahlungmittel bei den Waldschrats) dem Tierschutz überlässt. So sieht das aus.
Ist dem Waldschrat vielleicht etwas zugestoßen? Ist er auf das Krankenlager geworfen? Oder hat er seine Frau verlassen, heimlich und leise, weil er ihr nächtliches Schnarchen und ihre langen Nasenhaare nicht mehr ertragen konnte, ihr Eichelmüsli schlichtweg widerwärtig fand, dem gemeinsamen Sohn, ein verwöhntes Muttersöhnchen, niemals den Arsch versohlen durfte und seine Schwiegereltern auch nie mochte.?

Mit all diesen Fragen im Kopf ging ich weiter, ließ den Henkelmann dort stehen, für den Fall, dass der Waldschrat doch noch danach würde suchen müssen.
Aber einen Kilometer weiter, am Ausgang des Waldes, sah ich dies:Abschiedsgruß

Ist es nicht naheliegend, dass der Waldschrat hier den üblichen Gruß entrichtet, den Waldschratens sich zum Abschied entgegenplärren?
Und scheint es nicht so, als habe sich der Waldschrat insbesonders von seinem missratenen Sohn verabschiedet, indem er ihm ein fröhliches „Fack ju, Gör!“ hinterließ?
Ich glaube es fast.
Die Indizienlage ist erdrückend. Erst hat er sich noch schnell den Henkelmanninhalt reingehauen, dann nahm er all seinen Mut zusammen und machte sich vom Acker, nicht ohne am Ende des Waldes und dem Anfang der sogenannten Zivilisation schriftlich seinen Abgang zu bestätigen.

Waldschrat, ich wünsche Dir viel Glück und habe für Dich und Deine Tat das größte Verständnis.

*FAK = Fenchel-Anis-Kümmel-Tee