Heute morgen, als ich aufstand, und das war wirklich früh, sehr früh, verdammt früh, zu früh für mich, konnte ich mich einfach nicht entscheiden.
Das Wetter oder die Pubertisten? Wetter? Pubertisten? Doch das Wetter?
Worüber soll ich mich mehr aufregen? Worüber soll ich meckern? Gut, wir hatten nur wenige Minuten nach dem Augenaufschlag schon die wilden Gefechte zu bewundern, wer zuerst ins Bad darf, der Klassiker also. Im Grunde gar nicht mehr erwähnenswert, da ja allgemein bekannt und nichts Besonderes.
Wobei die Auseinandersetzung darüber, wer mit wessen Zahnbürste nun das Klo geputzt haben wollte, mich doch aufhorchen ließ. Ich hoffe, sie nehmen nicht aus Versehen einmal meine.
Killerdog hat vor einem Jahr mit der Zahnbürste seiner Schwester dem Hund die Zähne geputzt. Das bekommt er heute noch vorgeworfen. Ich muss meinen Mund dann immer hinter meiner Hand verstecken, damit sie mein Grinsen nicht sieht.
Und natürlich sage ich immer ganz empört, dass es wirklich eine widerliche Aktion war und sich so etwas einfach nicht gehört. Dass man aber irgendwann einmal diesen Vorgang vergeben und vergessen sollte.
Dieses ganze pädagogische Blablabla.

Überhaupt frage ich mich, ob ich demnächst einmal eine Auszeichnung für pädagogische Höchstleistungen zu erwarten habe. Vermutlich eher nicht. Von wem auch? Dem Bundespräsidenten? Warum sollte der mich auszeichnen für meine vorgestrige gelungene Gesprächsführung in Sachen „Versuche, dem Fürsten Dinge näher zu bringen, ohne ihn zu erschlagen“ und „Scheine geduldig und scheine verständnisvoll“ sowie „Nicht mehr Erziehung sondern Beziehung – Arbeiten am Miteinander“.
Nach so einem Gespräch geht es mir wie diesen hier:

Blümelein

Und da sind wir dann beim Wetter. Die Zierquitte macht diese arg hübschen Blüten schon im Januar, weil das Wetter fröhlich den nahenden Frühling verkündet. Das ist wunderbar anzuschauen, denn solche rosafarbenen Tupfen im Efeubeet sind ein rechter Augenschmaus.
Aber einen Blick in den Kalender geworfen und es ist klar, da können noch Fröste kommen. Es kann noch eisige Winde geben. Es ist in Wirklichkeit noch Winter. Egal, was das Wetter sagt. Und diese Blüten lassen sich von den warmen Luftströmungen dermaßen verarschen. Und wenn die Kälte kommt, dann lassen sie alles hängen, haben die Konsistenz von gekochtem Salat und fallen tot zu Boden.

Muss ich die Analogie zwischen mir und der Zierquitte da noch ausführen?
Ja?
Nun gut.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Gespräch bedeutet noch nicht das Ende des pubertären Gefechts. Aber, und da bin ich ganz Quitte, es war ein gutes Gespräch und es erweckte den Eindruck, als hätte der Fürst ungefähr ein Drittel von dem Gesagten irgendwie in sich aufgenommen. Wir konnten sogar ein bisschen lachen, miteinander. Sofort öffnete sich mein Herz wie die Quittenblüte und blühte und freute sich und gab sich der Hoffnung hin, alles möge jetzt gut werden, der Frühling sei nun angebrochen.

Frühling

Aber wenn das Wetter es will, kommt die Eiseskälte und dann ist es vorbei mit all der Pracht und Herrlichkeit. Darin unterscheide ich mich vielleicht doch von der Zierquitte. Mir ist durchaus bewusst, dass es nächste Woche Bedingungen geben kann, die ein weiteres Blühen unmöglich machen. Vorerst.
Aber möglicherweise weiß die Quitte es doch und denkt sich, ach was, scheiß doch drauf. Hauptsache geblüht.

Mag sein, ich kann von der Quitte etwas lernen.
Und rege mich heute über nichts und niemanden auf.