Was ich alles nicht darf, das geht echt auf keine Kuhhaut.
Ganz oben auf der Liste steht natürlich, dass ich keine Kinder schlagen darf. Kinder generell nicht und erst recht keine eigenen. Das finde ich mitunter bedauerlich, wenn mich eine Welle der Wut überrollt und ich nicht mehr weiß, wohin mit mir.
Nehmen wir einmal an, rein hypothetisch natürlich, ich hätte das Haus verlassen, wäre drei Stunden später zurückgekehrt, es wäre abends gewesen, so ungefähr um einundzwanzig Uhr und siebenundfünfzig Minuten. Beim Verlassen des Hauses hätte die Küche erträglich ausgesehen, also kein Ort, an dem man Operationen am offenen Herzen durchführen mag, aber doch einigermaßen reinlich. Bei der Rückkehr hätte man meinen können, ein Horde Barbaren wäre vorbeigekommen, um sich ein köstliches Mahl zu kreieren.
Dann würde man doch gern einmal zuschlagen, wenn einem so etwas widerfahren würde, oder?
Und fremder Leuts Kinder darf ich auch nicht verhauen, denn dann müsste ich mit einer Anzeige wegen tätlichen Angriffs auf Minderwertjährige rechnen und sicher dafür ins Gefängnis, wo ich auf andere aggressionsbelastete Frauen treffen würde und wir uns nur gegenseitig hochschaukeln würden.
Ich darf die Kinderchen auch nicht hauen, wenn die sich scheiße benehmen. Das ist nämlich gar nicht meine Angelegenheit. Und wenn die zehn Mal lauter als mein Tinnitus kreischen, geht mich gar nichts an. Die dazugehörigen Erziehungsberechtigten darf ich auch nicht vermöbeln.

Ich darf auch nicht bei einem Elternabend aufspringen und dem Lehrpersonal die Meinung geigen. Ich darf nicht herumbrüllen. Wenn beispielsweise eine Klasse sehr unruhig wäre, laut und recht ungehorsam, und darin säße ein träumerisches Wolkenköpfchen, welches stets versucht, zuzuhören, dass nett wäre und zurückhaltend, aber trotzdem mindestens einmal in der Woche eine Stunde nachsitzen müsste, weil das Lehrpersonal die kollektive Bestrafung präferieren würde, dürfte ich immer noch nicht aufspringen und schreien: „Bohr, eh!!! Ihr seid total scheiße! Wie seid ihr? Scheiße!! Wortart Adjektiv!! Kapiert? Nicht? Morgen drei Stunden länger, Freunde!!“
Und den dauerklatschenden Eltern, die wie eine Schafherde auch noch den größten Unfug hochjubeln würden, so etwas wie eine Überquerung der Alpen als Abschlussfahrt, die sich im nachhinein als ziemlich misslungenes Unterfangen herausstellen würde, weil die Bergrettung hätte tätig werden müssen, da eine Person des Lehrpersonals nicht ihrer Pflicht der Gefahrenabkehr nachgekommen wäre, sondern statt dessen ihren Egotripp mit Selbstbestätigungszwang nachgehen hätte müssen, was sogar in der Zeitung der französichen Alpen gestanden hätte, weil man sich dorthin von Italien aus verirrt hätte…, aber egal, nein, ich darf am Elternabend nicht ausaufällig werden.

Ich darf aber auch dem Gurfrisierten keine Flusen in den Mund stecken. Es ist egal, ob er mit weit geöffnetem Mund neben mir liegt und sehr laut atmet, um böse Geister zu verscheuchen und seine Umgebung darauf vorzubereiten, dass es sicher statt des gewünschten Nachtflugverbots eine Lockerung des selbigen geben wird. Da hört man die startende Antonow überhaupt gar nicht mehr!
Und weil er es ja nur gut meint, darf ich nicht von der Decke Fusseln zupfen und ihm diese dann in den Mund segeln lassen, was einen Hustenanfall und anschließende Ruhe mit hin und wieder dem Geräusch einer Frachtmaschine verursachen würde.
Verboten.

Verboten ist es mir auch, nur noch Duplo mit weißer Schokolade drumherum zu essen. Das ist nicht gut für meine Bauchspeicheldrüse, die früher oder später den Geist aufgibt, wenn ich nur noch Duplo mit weißer Schokolade esse. Und es ist auch echt verboten, sich nicht gesund zu ernähren. Weil ich ja Vorbild für die folgende Generation sein soll, darf ich nicht um zehn Uhr Pommes essen. Leider. Und auch für meine Taille wäre das… eigentlich auch nicht weiter schlimm, denn ich besitze keine Taille mehr. Aber eben wegen den Kindern nicht.

Böse Wörter sind mir nicht generell verboten. Ich fluche also schon hin und wieder, aber es gibt eben Momente, in denen sind solche Wörter verboten. Es kommt überhaupt nicht gut, wenn man im Angesicht vieler kleiner Kinder (die gerade ihren Waldtag haben und ich selbst gehe mit meinem Hund an ihnen vorbei und einer hält der Töhle ein Leberwurstbrot quasi unter die Nase und der angeleinte Hund nimmt im Vorbeigehen einmal ein Probehäppchen) laut „Fuck!“ brüllt (die erschrecken sich fast zu Tode und heulen!).

Wenn ich mir den Scheiß anhöre, den die Pubertierlinge hier von sich geben, bezüglich ihrer Freiheiten, wenn sie erst erwachsen sind, oder die sie einfordern, weil sie meinen, jetzt erwachsen zu sein, dann kann ich nur laut lachen.
Jetzt nörgen sie rum, meckern und skandieren: „Alles verboten, nix erlaubt! Alles verboten, nix erlaubt!!!“
Die werden sich noch wundern, was es mit der Freiheit auf sich hat, wenn sie erwachsen sind. Die wirklich guten Sachen bleiben immer verboten.