Gestern Abend legte ich mich recht spät ins Bett, nachdem ich vorher über eine Stunde hin und her und rund herum diskutierte.
Ich würde gern sagen, ich wollte es so. Ich würde gern sagen, es hat etwas gebracht. Aber leider wäre das glatt gelogen.
Ich fühlte mich dazu genötigt, denn es ging um die Verteidigung meiner Freiheit und meiner Rechte, da kann man nicht einfach ins Bett gehen, dem Kampf muss man sich stellen.
Und weitergekommen bin ich in diesem Kampf auch nicht wirklich.

Als ich dann im Bett lag, aufgewühlt und gestresst, ärgerlich und grantig, nahm ich ein Buch von meinem Nachttisch, eines vom Büchereistapel. Recht klein und gut zu halten, spät abends im Bett. Ich schlug es auf, ohne mir große Gedanken zu machen und wollte mich einfach nur ein bisschen von meinem Zorn ablenken.

„… .Anscheinend habe ich ein Leben dazu gebraucht, meine Eltern zu verstehen, von einer Verwunderung in die andere stolpernd. Es gibt einen geheimnisvollen Vorgang, der erschreckend ist, da sich daran überhaupt nichts ändern lässt: er führt dich aus grimmiger Jugendzeit- als stünden sich die Eltern und du schwerbewaffnet auf einem Schlachtfeld gegenüber- dorthin, wo du im Geist jederzeit den Platz einnehmen kannst, auf dem sie selbst einstmals standen.“
(Doris Lessing, Das Leben meiner Mutter)

Manchmal kommen Bücher in genau dem richtigen Augenblick. Sie warten auf einem Stapel, still und zurückhaltend. Aber wenn gerade Not am Mann ist, schieben sie sich sanft in deine Hand und du schlägst sie auf und es steht etwas Wahres darin.