Warum liegt unter meinem Bett eine Tafel Schokolade?

„Woher soll ich das wissen?“, wird mir jetzt sicher die Gegenfrage gestellt. Aber ich weiß es doch auch nicht. Ich hänge leicht lädiert auf der Couch herum, von der aus ich mit schweifendem Blick unter mein Bett schauen kann. Und dort liegt eben eine Tafel Schokolade. Ich habe sie dort nicht hingelegt. Sie ist mir gänzlich unbekannt.

„Hee, du da, Schokolade!“, rufe ich hinüber. Keine Reaktion. „Ehh, hallo, Schokolade! Was machst Du unter meinem Bett?“
Die Schokolade bewegt sich kein Stück und macht auch keinerlei Anstalten, mir zur Antworten. Sie liegt einfach nur da und rührt sich nach wie vor keinen Millimeter.
„Also, Du bist hier in meinem Schlafzimmer, Freundchen, da gebietet es die Höflichkeit, dass Du wenigstens antwortest!“, sage ich.
Aber sie reagiert nicht. Liegt da wie tot. Oh mein Gott, vielleicht ist sie tot. Unter meinem Bett verstorben und ich habe nichts davon bemerkt. Was für eine Tragik, ich hätte sie möglicherweise retten können.
Ich sollte nachsehen. Vielleicht ist sie nicht ganz tot, eine Wiederbelebungsmaßnahme möglicherweise noch erfolgreich. Aber ich liege so gut auf der Couch. Die Füße sind wohlig warm unter der flauschigen Wolldecke und mein Körper ist in einer meditativen Schwere, dass ich bis in den Erdkern versinken könnte.
„Kannst Du nicht hier rüberkommen?“, frage ich sie. Aber da sie vermutlich tot ist, antwortet sie immer noch nicht.
Ich beobachte die Schokolade ganz genau, lasse sie keine Sekunde aus den Augen.
Es rührt sich nichts.

Wie ist sie wohl dort hingekommen? Wäre es meine Schokolade, sie wäre niemals unter meinem Bett gelandet. Ich behandele Schokolade mit aller nötigen Ehrerbietung. Ich meine, Schokolade, da muss man doch Samthandschuhe anziehen, sie sanft und zart in Stücke brechen, die man sich dann langsam und mit Genuss in den Mund schiebt und dort zergehen lässt. Dabei breitet sich ein Gefühl von Sanftheit und Zufriedenheit aus, erst im Bauch und dann, in weichen Wogen, im Körper bis hoch zum Hirn.

Warum liegt die Schokolade unter meinem Bett? Warum reagiert sie nicht? Was ist da los? Ich starre sie an und rufe noch einmal: „He, hallo, was machst du denn da? Willst du nicht viel lieber zu mir auf die Couch kommen? Ich rücke ein Stück und wir machen es uns richtig schön! Wie wär`s?“
Aber sie bleibt, wo sie ist und tut nichts.
Darum stehe ich doch gegen alle inneren Widerstände auf, schleiche mich langsam und vorsichtig an sie heran, erschrecken will ich sie ja nicht, strecke meine Hand aus, ziehe sie behutsam unter dem Bett hervor und….

…. habe eine leere Verpackung in der Hand.
Ist das denn die Möglichkeit? Da hat irgendwer mir eine leere Schokoladenverpackung unter das Bett geschoben. Das ist doch eine Frechheit!!
Ich weiß auch, wer das war. Es gibt hier nur einen weiteren Schokosuchti.
Jetzt werde ich in Killerdogs Zimmer diverse Süßwarenverpackungen ohne Inhalt verstecken, auf dass er jedes Mal denkt: „Hmmm, ohh, lecker!“, und dann mit lautem Schlag auf dem Boden der Realität aufkommt. „Oh, scheiße, Müll.“