Nun habe ich schon drei Beiträge verfasst und wieder verworfen. Ich versuche, ein heiteres Stück Familienerleben in den Computer zu bringen. Mit Spaß und Lustigkeit. Aber bedauerlicherweise wird andauernd nur ein grauer Kloß daraus.

Ich fange eigentlich immer recht gut an. Zuerst habe ich von meinen Gedanken erzählt, wenn ich aus dem Küchenfenster schaue und die jungen Mütter mit ihren hübschen Kinderwagen vorbeischieben sehe. Dass ich dann fast neidisch bin, weil diese Zeit ohne Schule und Hormone so eine schöne war. Und schon geht es bergab. Ich sitze bereits den Bruchteil einer Sekunde später auf der Rutsche nach unten und lande unsanft in den Gedanken, wie unglaublich traurig es ist, dass ich es damals viel zu wenig genossen habe. Wie bedauerlich es ist, diese Zeit ohne Schule, ohne Hormonausbrüche und existenzielle Bedrohungen nicht bewusst mit jeder Faser aufgenommen zu haben. Und sie erst jetzt als das zu schätzen, was sie war. Eine wundervolle Zeit. Anstrengend mit drei kleinen Kindern, aber herrlich.
Und dann versinke ich in den finsteren Gedanken des Hier und Jetzt und ich überlege, was ich jetzt noch genießen soll. Da schreibt sich keine leichte Kost.

Dann wollte ich darüber schreiben, wie es ist, wenn man tagelang mit Heißhunger auf einen Döner herumläuft. Nur weil man einmal in Killerdogs Döner beißen durfte und somit angefixt wurde. Eigentlich ist das ja recht amüsant. Aber auch hier klappt das nicht. Denn sofort brüllt diese unangenehme Stimme in mir, die in letzter Zeit häufiger die Herrschaft über meine Existenz erlangt, warum zum Teufel ich mir nicht einfach einen Döner kaufe! Sie stellt mir Fragen, die ich nicht gestellt bekommen möchte. Und sie redet und redet in einer Lautstärke und Tonlage, dass ich wirklich gewillt bin, ihr mit einem Döner das Maul zu stopfen. Diese impertinente Kuh nölt und nörgelt in einer Tour und ich stehe daneben und werde immer trauriger, weil sie mich richtig fertig macht.

In meiner Verzweiflung wollte ich sogar über das Wetter schreiben. Ich hatte schon die ersten Sätze über das Grau des Himmels, den fehlenden Schnee und die Tatsache des langsamen Hellerwerdens verfasst, da fiel mir absolute Nichtigkeit dessen auf, was ich geschrieben hatte.
Der angeschmuddelte und müffelnde Kühlschrank ist auch kein Thema, welches mich zu Höchstform auflaufen lässt. Und wenn mir tausendmal der Satz durch den Kopf geht:
„Ein halbierter Apfel im Kühlschrank mindert Gerüche, ersetzt aber keineswegs die Reingung!“
Den Hund hatte ich bereits am Samstag durchgenudelt, Katzen habe ich keine, Schneeglöckchen blühen überall und nicht nur hier und ich habe mir nichts Neues gekauft.

Das kann doch nicht sein, dass ich nicht einmal einen Krümel an Vergnügen erhasche. Was ist denn da nur los?
Ach, jetzt geht es mir auf. Ich habe die Erhellung schlechthin.
Ich weiß nun, was ich tun muss. Gleich werde ich anfangen, ihn zu suchen. Wo habe ich ihn nur hingetan? Könnte er oben auf dem Kriechspeicher sein? Eigentlich nicht, da habe ich erst vor kurzem einen Blick hineingeworfen, da war er nicht.
Im Keller? Ach jeh! Wenn er im Keller ist, wie soll ich ihn nur finden? Da ist so ein wildes Durcheinander und so etwas kleines findet sich da schwerlich. Wobei, er könnte auch in meiner Nachttischschublade sein, neben den Fußballer-Sammelkarten.
In meinem Nähstübchen? In der Krimskramskiste?
Wo habe ich ihn nur das letzte Mal gesehen? Wann habe ich ihn das letzte Mal benutzt?
Ich glaube, das war am Telefon, als ich sagte, ich wäre noch nicht reif genug für solche Aufgaben, und im weiteren Gespräch tauchte er auf. Danach habe ich ihn offensichtlich verschlampt.

Ich werde ihn suchen. Und wenn es den ganzen Tag dauert. Ich werde ihn finden. Und wenn ich ihn gefunden habe, werde ich ihn in den Arm nehmen und ganz fest halten. Und dann werden wir uns gemeinsam am Boden wälzen und uns in einen hysterischen Lachanfall hineinsteigern, mein Galgenhumor und ich.