Die Zeiten, in denen man den eigenen Kinder sagte, was sie zu tun und zu lassen haben, wen sie zu heiraten, was sie zu lernen, was sie zu arbeiten haben, diese Zeiten sind vorbei.
Autoritäre Vorschriften sind vollkommen aus der Mode und soviele Eltern in dieser unserer Republik sagen, ihre Kinder könnten Berufe erlernen, die sie möchten, könnten heiraten, wen sie möchten und gesellschaftliche Konventionen seien ihnen dabei gänzlich unwichtig.
„Ach, das ist mir egal. Das wichtigste ist doch, dass sie glücklich werden, in ihrem Leben. Dass sie ihren Weg finden und damit glücklich sind!“

Was für eine Hoffnung. Was für ein unglaublicher Wunsch.

Und ich überlege gerade, ob ich nicht doch besser die Berufswahl vorschreibe als das Erreichen von Glücklichkeit.
Glücklich zu sein ist ein hohes Ziel, ein schwerer Weg dort hin. Und überhaupt, wie wird man denn glücklich? Wenn man sich eine Designer-Jeans kauft? Wenn man ein gutes Buch liest? Wenn man Schokolade isst?
Ist es nicht sinnvoller, einem Kind beizubringen, dass es merkt, wenn es mal eben gerade glücklich ist? Dass es einen Moment des Glücks erkennen kann, wenn er ihm begegnet?

Und was macht man, wenn man ein Kind hat, dessen offensichtlicher Auftrag im Unglücklichsein liegt? Da plagt man sich als Eltern mit dieser elenden Glückssuche ab, reißt sich ein krummes Beinchen aus, versucht so oft, dem Kind ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, und?
Das Kind legt keinen Wert darauf. Es steuert von einer Katastrophe in die nächste, lässt kein Pech und kein Unglück am Wegesrand liegen, nimmt alles mit, was es kriegen kann.
Wie geht man damit um? Wo doch der eigene, der offizielle und der gesellschaftliche Auftrag ist, das Kind in Glück zu ersäufen.
Und man selbst das Glück jagt, als wäre es ein Schmetterling, um ihn auf ein Brett zu spießen und sich immer wieder an seinen Farben zu erfreuen.
Man serviert das Glück in kleinen Schälchen und das Kind fegt sie mit dem Arm vom Tisch. Will das Elternglück partout nicht fressen.

Und wieviele Jahre das dauert, wieviele Krümmungen und Verbiegungen, bis man begreift, es will das nicht. Es mag einfach nicht. Es hat eine komplett andere Vorstellung von dem, was angeblich das Glück ist.

Wie verwirrend!