Liebe Leser, heute wollen wir uns einem Thema zuwenden, das sowohl Tiefgang als auch Oberfächlichkeit besitzt, das heitere Gelassenheit und harte Aggression beinhaltet, ein Thema, das niemanden kalt lässt, der ein Mensch ist.

Wir sprechen über die manchen Menschen innewohnende Leidenschaft der Verarschung. Es gibt Menschen, die mögen nichts lieber, als verarscht zu werden. Und auf der anderen Seite gibt es die, denen es größte Freude bereitet, andere zu verarschen.

Nun berichte ich einmal ganz unzensiert aus meinem Leben. Ich gehöre zu denen, die sich gern verarschen lassen. Bevorzugt von den eigenen Kindern und hier ganz besonders vom Ältesten, der eventuell annimmt, ich bräuchte das.
Der hat die Angewohnheit, ununterbrochen verarschend in der Familie unterwegs zu sein.
Wir stellen uns also vor, der Griku hat die Prüfungstermine für den FOR-Abschluss im Mai. Seine Halbjahresnotenübersicht war sehr bescheiden, einen Abschluss kann er damit nicht gewinnen und erst recht nicht erreichen (und wenn mir einer erklären kann, wie man in Erdkunde an eine Sechs kommt, an eine Sechs, in Erdkunde, dann höre ich sehr gern zu. Erhellt mich!).
Nun ist es aber ausgesprochen wichtig für seine Zukunft, diesen Abschluss zu machen, da er in einer nun und jetzt und immerdar existierenden Pflicht und Verantwortung steht, die das unabdingbar macht.
Als engagierte Mutter besprach ich mit ihm, wie das Ziel zu erreichen sei, wie ich ihn dabei unterstützen kann und ich motivierte ihn, wie ein Rübchen den Esel.
Für fünf Minuten. Dann war leider gänzlich die Energie wieder eine Etage tiefer gerutscht und er entschwand zur jungen Dame, ohne einen weiteren Schulbesuch zu erwägen.

Während ich Telefonate führte, um seinen kleinen Arsch schulmäßig zu retten, während ich ein … nein, das erwähne ich nicht, das erfüllt einen gewissen Straftatbestand, egal, während ich mir ein Bein ausriss, um ihm zu helfen, fuhr er die mehr als hundert Kilometer zum Frollein, anstatt die Schule zu besuchen.

Seit Donnerstagmorgen, als er so tat, als täte er zur Schule gehen, ist er wieder einmal entfleucht und auch heute ist er nicht anwesend.
So wird das nichts. Das ist jedem halbwegs das Primatenleben hinter sich gelassen Habenden klar, nur der Griku, der denkt nicht darüber nach.

Und ich bin verarscht. Denn ich denke für ihn. Und weil er aber nicht denkt, sollte ich, wenn ich für ihn denke, das selbe tun, nämlich nix.

Das wird die Aufgabe der nächsten Wochen werden. Nix tun. Für ihn. Gar nix. Ihn mit Vollgas in die Scheiße rauschen lassen und mich nicht länger verarschen lassen und das alles mit so vielen Kraftausdrücken, wie es braucht, um klar zu machen, das hier die Kacke dampft. Und dann wird er auf die Fresse fallen und das Wehklagen wird laut und wer wird es schuld sein? Wer?
Ja nun. Er auf keinen Fall. Zum Verarschen gehört nämlich auch dazu, dass nur die Verarschten schuld sind. Der Verarscher wäscht seine Hände in beschissener Blödheit Unschuld.

Ich kündige die Verarschbereitschaft mit sofortiger Wirkung auf und bitte um tägliche Erinnerung, dass ich mich nicht mehr wollte verarschen lassen. Ein kurzer Hinweis nur, Frau Lavendel, keine Verarsche bitte, reicht sicher nicht. Aber ein täglicher Schlag auf den Hinterkopf mit dem direkten Schrei ins Ohr: „LASS ES!!!“ und der Einforderung des zehnmaligen Aufsagens vom bekannten Gebet: „Verarsch` dich selbst, dann verarscht dich Gott.“, sollte funktionieren.
Wer sich also in der Lage sieht, mir die Verarschneigung auszutreiben durch klassische Konditionierung, dem wäre ich zu Dank verpflichtet.

Desweiteren brauche ich eine Dose Creme gegen Falten, zwei Kilo Stimmungsaufheller und eine Emotionseinschläferung. Sonst wird das hier nichts mehr.

„PER ASPERA AD ASTRA“
(Über raue Pfade zu den Sternen)

P.S.: Dabei hatte ich gestern für heute einen ganzen anderen Post geschrieben. Naja, wenn nichts dazwischen kommt, gibt es den eben morgen.