Was war denn das?
Ich meine, was war denn das für ein Wochenende?
Ich würde sehr gern detailliert dieses Wochenende beschreiben, bis in die allerfeinsten Kleinigkeiten. Aus Gründen der Persönlichkeitsrechte muss ich davon jedoch Abstand nehmen, denn auch Pubertisten haben ein Recht auf Wahrung ihrer privaten Sphäre.

Aber dieses Wochenende hat wieder einmal in mir den Wunsch hervorgerufen, eine alleinstehende, mittelalte Dame in einem schicken Appartement zu sein, die abends mit einem Gläschen Zitronenlimonade auf der Couch sitzt, neben sich ein Buch, eine Kerze auf dem Tisch, auf dem auch ihre Füße liegen. Der Fernseher läuft leise vor sich hin und sie telefoniert mit ihrer Freundin Hiltrude, um die Arbeitskollegen der Reihe nach durchzuhecheln.

Stattdessen darf ich mir wieder einmal ein Wochenende mit Dramen geben, in denen es gilt, einen kühlen Kopf zu wahren und sich nicht von Emotionen überrennen zu lassen. Was für ein Kraftakt. Und das, wo doch die Planung auch eine sehr andere war.
Nun gut.
Bemerkenswert ist, dass ich zum Beispiel den allseits beliebten, sehr alten aber immer noch sehr wahren Spruch von den Füßen unter den entsprechenden Tischen rausgehauen habe. Abgewandelt zwar, aber in der Kernaussage völlig gleich.
Solange wir hier das Leben bezahlen, wird nach unseren Regeln gespielt.
Warum wollen Pubertisten das eigentlich unbedingt hören? Ich meine, die betteln ja nun einmal so lange, bis man es endlich sagt. Das ist doch total bekloppt.

Nein, ich möchte, dass es jetzt langsam zum Ende kommt, mit diesen hormonbedingten Ausschreitungen. Denn ich merke, dass ich bald auch ausschreite.
Wie schön wäre es, könnte ich auch einmal nur emotional reagieren. Explodieren. Alles zerschreien und die Hälfte zerkloppen. Nur, mein Hirn setzt immer ein Sekündchen zu früh wieder ein und verhindert das komplette und völlige Eskalieren.
Ja, das ist möglicherweise besser so. Und natürlich wirkt das auch viel toller, wenn man in allen Situationen einigermaßen ruhig und bedacht bleibt. Dann kann man rumlaufen und immer sagen, hach, wie gut hatte ich das denn wieder im Griff.

Aber ehrlich?
Druff jeschissen.
Ich möchte einfach die Sau rauslassen. Ohne Rücksicht auf Verluste einen Tobsuchtsanfall vom nächsten jagen lassen.
Von Herzen hassen. Mit wildem Blick und wirrem Haar kreischend durch das Haus rennen, gern auch mit einem Hammer in der Hand und dabei eine „Shining-Gedächtnis-Party“ feiern.
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Manchmal frage ich mich, ob zuviel Wolle, Seide, Holz und pädagogisch wertvolles Spielzeug, Geschichtenerzählen, Baumklettern, Spazieren, Singen und Frohlocken und immer schön das Kind im Blick haben, kein Fernsehen, spät Süßigkeiten und zurückhaltender Medienkonsum, kurz das ganze Tuttifrutti, das ich mir so schön in den verschiedenen Waldorffortbildungen und pädagogischen Wochenenden angeeignet habe, einfach nur für den Arsch waren.
Wäre ein gerüttelt Maß an Teletubbies, Nintendo und Plaste-Elaste nicht besser gewesen? Wäre dann jetzt alles nicht so ein Drama?
Oder wäre alles noch vielvielviel schlimmer?
Wobei, wie müsste es sein, damit es noch schlimmer wäre?
(Meine Schwester sagt immer: „Wenigstens ist er kein Nazi!“, was mich immer erleichtert nicken lässt.)

Ich muss jetzt einfach mal ein bisschen putzen. Für die innere Aufgeräumtheit.
Man findet mich im Bad. Über der Kloschüssel. Im Zweifel kann ich dann auch mal eben schnell reinkotzen, wenn es nötig ist.