Der Februar diesen Jahres macht sich auf den Weg.
Man kann dem Februar vieles anlasten, aber dass er kalt gewesen wäre, das kann man ihm nun nicht vorwerfen. Mit lauen Lüftchen hat er versucht, dem Winter ein Schnippchen zu schlagen, der im vergangenen Jahr bis weit in den April hinein hockengeblieben war und sich nicht vertreiben ließ.
Der Februar ist also diesmal fast als Frühlingsbote verkleidet.

Aber ansonsten macht der Februar eine Menge Wind.
Was für ein Gestürme im Hause der Lavendels. Meine Frisur ist schon komplett derangiert. Und meine Fingernägel darf sich auch niemand anschauen. Ich hatte einen kurzen Rückfall in alte Zeiten, als ich das Nägelkauen noch nicht so gut im Griff hatte. Und von diesem Geknabber habe ich mir eine großartige Entzündung zugezogen. Am Zeigefinger war so ein kleines bisschen Nagelhaut, das habe ich abgekaut oder eher abgerissen und schon am nächsten Tag hatte ich einen sogenannten E.T.-Finger.

Was ereignete sich noch in diesem ereignisreichen Monat?
Der Hund musste zweimal duschen, beide Male hatte er sich in unangenehmen Überresten von nicht genauer zu definierenden Rückständen gewälzt. Dementsprechend musste das Bad zweimal besonders gründlich gereinigt werden.

In einem schwachen Moment habe ich eine ganze Tüte Gummibären in mich hineingesteckt und danach war mir schlecht.

Ich habe viel zu wenig gelesen und viel zu viel geputzt.

Ich habe viel zu viel diskutiert und viel zu wenig gelesen.

Ich habe mir einen Schal gekauft, weil Schals immer sehr wichtig sind, in meinem Leben. Wenn ich eine Sache wirklich verabscheue, dann ist das ein kalter Hals. Und die Farbe des Schals ist die schönste Farbe aller Zeiten. Er ist so fluffig und leicht, den kann man sich auch im Sommer um die Schultern legen. Eigentlich ist es mehr ein Tuch. Ein tolles Tuch. Rot. Auch für den Fall, dass hormongetunte Hornochsen sich auf mich stürzen wollen, da ist ein rotes Tuch sehr wichtig. Das habe ich jetzt immer dabei.

Ich habe viel zu wenig geschlafen.
Das ist wirklich ein großes Manko an diesem Februar.
Schlaf gehört zu den Dingen in meinem Leben, die ich sehr liebe und die mir heilig sind. Leider habe ich in diesem Monat einen ausgeprägten Schlafräuberbefall. Das ist extrem unangenehm. Ich habe bereits einen Kammerjäger befragt, was ich dagegen tun kann. Dessen Empfehlungen haben mich aber nicht überzeugt. Alkohol ist da keine Lösung. Er empfahl äußerliche und innere Anwendungen, aber ich vermute, der Schaden wäre größer als der Nutzen. Man muss vorsichtig sein mit solchen eigentlich sehr schädlichen Stoffen.

Die Aufenthaltsdauer in Wartezimmern war in diesem Monat überdurchschnittlich. Dabei konnte ich allerhand über die menschliche Natur im Allgemeinen und auch über die kindliche im Speziellen erfahren. Außerdem lehrte mich das Wartezimmer, dass die Benutzung von Deodorants nicht immer eine Nasenfreude ist und man manchen Menschen eine Geruchsberatung angedeihen lassen möchte.

Der Februar hat die alte Dame, die ich dreimal in der Woche sehe, angeknabbert. Im Januar war sie deutlich besser beisammen. Das finde ich vom Februar ziemlich blöd, aber er kann es auch nicht wirklich ändern.

Was wird der März bringen?
Nun, ich werde in Wartezimmern sitzen, weil ich zum Allergietest muss. Ich habe den Verdacht, dass sich bei mir eine Hormonallergie entwickelt. Und noch dazu eine Jugendlichenallergie. Wenn ich solche jugendlichen Hormonlackels sehe, dann juckt es mir sofort in den Fingern, und dieses Jucken lässt sich nur durch heftiges Aufschlagen der Handflächen auf durchblutetes Fleisch lindern.
Und mir tränen auch immer die Augen.
Ich werde hoffentlich mehr lesen, denn ich habe viel zu wenig gelesen.
Ich werde den Hund mit Parfum einsprühen, bis er um Gnade winselt.
Ich werde mehr Gemüse essen, wenn die Gummibärchen leer sind. Wenn.
Ich werde mehr und lauter singen. Immer. Und überall.
Ich werde über Bemerkungen stehen, die mich als peinlich, auffällig und unangenehm bezeichnen.
Ich werde gezielt peinlich, auffällig und unangenehm sein.

Doch, der März hat Potential.
Und jetzt gehe ich im Wald weitere Frühlingsboten suchen. Gestern fand ich schon das erste Buschwindröschen, ganz verunsichert hockte es am Waldboden und hielt verwirrt nach Kollegen Ausschau. Und möglicherweise kommt auch die dicke Hummel noch einmal vorbei.