In der letzten Zeit bin ich bekannt für das Misslingen von Ernährungswaren.
Ein Beispiel war der legendär beschissene Kürbis, den nicht einmal ich selbst essen wollte und den der Hund ebenfalls verschmähte. Es kamen noch hier und da weitere Vorfälle dazu, die ich zwar mit enormen Leistungen wie Vanillecreme wieder vergessen machte. Aber wenn ich ehrlich bin, frage ich mich langsam, was ist da los mit mir? So ist es mir doch früher nicht ergangen.
Früher ging ich in die Küche, legte los, ohne Rezept oder sonstige Einengungen meiner Phantasie, und am Ende kamen dabei gute Dinge heraus, die auch von der Allgemeinheit freudig verspeist wurden.

Und nu?
Habe ich gestern einen Kuchen gebacken, einen Kirschstreusel mit Rührteig. Das ist keine Herausforderung, das ist Ofenstunde für Anfänger. Aber bedauerlicherweise ist irgendetwas passiert mit dem Kuchen.
Ich kann es mir nicht so recht erklären. Schon im Backrohr machte er zicken. Der unten befindliche Teig drückte sich an den Seiten hoch und bildete merkwürdige Teigpfützen über den eigentlich als Bedeckung gedachten Streuseln. Die Streusel versanken in der Tiefe. Und als ich den Kuchen vor der Verbrennung rettete, war er innen noch roh.
Dann muss er eben noch ein bisschen nachtrocknen, dachte ich mir und ließ in noch einmal in den Ofen wandern. Bei niedriger Temperatur ließ ich ihn weiter sanft vor sich hingaren.
Dann holte ich ihn heraus und er wabbelte nicht mehr wie ein geisteskranker Wackelpudding, aber fest war er auch nur partiell.

Heute kam dann der Moment der Wahrheit. Ich schnitt das Herzchen an, weil man am Geburtstag schon in der Früh Kuchen essen darf, soll und muss. Der Gutfrisierte wollte von seinem Geburtstagkuchen erst einmal kein Stück, denn er war mit dem Lauschen seiner Geschenkschallplatte beschäftigt. Aber ich nahm mir.
Ich sage es einmal so, er ist interessant, der Kuchen.
Geschmacklich durchaus relativ einwandfrei, süß, kirschig, mit einem Hauch von Zimt im Abgang, macht das einen guten Eindruck.
Aber die Konsistenzen sind verwirrend. Tief drin ist er Kuchenteig, unbehandelt. An der Seite befindet sich ein Stück knäckebrotharten Teigs, der knusprig zwischen den Zähnen knurspelt. Die Streusel sind ein kleines bisschen schleimig, weil sie gemeinsam mit den Kirschen eine unheilige Allianz eingegangen sind.
Und um das ganze zu perfektionieren in seiner Verwirrtheit, hat sich das Backpapier am Boden mit den Kirschen und Streuseln zu einem zarten Matsch verbunden.

Ein Blick gefällig?

Happy birthdayLetztlich bleibt nur eins zu sagen: Man kann ihn essen.

Und einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich nicht ins Maul.
Damit ich jetzt nicht wie der letzte Depp hier herumstehe und bedröppelt auf den Kuchen starre, stelle ich mich trotzdem auf das Siegerpodest des Backens, denn ich habe auch noch die von der Vanillecreme übrig gebliebenen Eiweiße verarbeitet. Und zwar zu zarten, weißen, süßen, herrlichen kleinen Kunstwerken.

WölkchenUnd die sind nahezu perfekt, wenn man davon absieht, dass sie alle ein bisschen hohl sind. Aber das ist ja oft so. Süß anzusehen, aber leider total hohl (wer jetzt hier eine Verbindung meiner Aussage mit weiblichen Wesen im Umfeld des Griku zieht, der kann das tun, ich äußere mich nicht näher dazu. Noch nicht.).

Leider mag das Geburtstagskind keine Baisers. Aber das ist mir wirklich und wahrhaftig scheißegal.
Nochmal. Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul.
In diesem Sinne: Happy birthday für jeden, den es trifft.