Ich bin traurig.
Und ich möchte traurig sein.
Ich mache mir Musik an, die mir schon in besseren Zeiten die Tränen in die Augen treibt, setze mich auf die Couch und gebe mich ganz und gar diesem Gefühl der Traurigkeit hin.
Ich lasse es zu, dass die Wellen über meinem Kopf zusammenschlagen und ich vollkommen verschluckt bin von dieser Empfindung.

Die Augen brennen und das Gesicht verquillt, die Nase wird immer röter und das Haar immer wirrer. Tränen tropfen langsam bis hinunter zum Hals, wo sie sich im himbeerfarbenen Schal fangen und mit ihrer Feuchtigkeit kleine Duftwolken meines Parfums befreien.
Mein Bauch zittert und die Luft hüpft stakkatoartig durch meine Lunge um mit einem Schluchzen aus dem Hals herauszuspringen.
Die Lippen und das Kinn sind ganz zerknittert und selbst in den Wangen bilden sich tiefe Falten.

Ich kann gar nicht recht denken, ich kann nur noch fühlen. Nach dem vielen Denken der letzen Tage ist das möglicherweise keine schlechte Idee, es einfach bleiben zu lassen.
Manche Situationen können sich nicht schön reden lassen. Nicht, wenn man wahrhaft darauf schaut. Es wird nicht besser durch den Versuch, Dinge zu verstehen, die unverständlich sind.
Und der tiefe Schmerz der Traurigkeit lässt sich nicht mit Süßem oder Tapferkeit vertreiben.
Ich möchte nicht die Hand getätschelt bekommen. Ich möchte nicht hören, dass ich Vertrauen haben muss und alles gut werden wird. Ich kann es nicht ertragen, mit steifen Ohren durch die Gegend zu gehen. Ich muss sie hängen lassen. Und den Kopf gleich mit dazu.

Jetzt werde ich weinen, bis endlich die große Leere einsetzt, bis ich leergeweint bin und meine Hülle wird den Tag bestreiten. Sie wird Autofahren, den Hund versorgen, die Kinder gleich mit, sie wird ein bisschen arbeiten und hier und da für Ordnung sorgen. Sie wird möglicherweise lesen, ein paar Worte sprechen, die Verkäuferin freundlich anlächeln und ein paar Mails schreiben.
Auf die Hülle ist Verlass.