Hartnäckigkeit kann man recht unterschiedlich bewerten.
Wenn jemand ein Ziel sehr hartnäckig verfolgt, weil es ihm ein dringendes Bedürfnis ist, dann kann man das für ausgesprochen lobenswert halten.
Wenn der Hund sehr hartnäckig ab sechzehn Uhr dreißig in der Küche sitzt, auf den Platz neben seiner Wasserschüssel starrt und dabei leise fiept, um das Erscheinen der Futterschüssel samt Inhalt zu beschleunigen, ist dies eine Hartnäckigkeit, die einen um den Verstand bringen kann.
Gibt man nämlich in diesem Moment der Hartnäckigkeit der Töle nach, steht man bereits wenige Tage danach schon mittags um zwölf da, um den Hund zu füttern. Also muss man dem die eigene Hartnäckigkeit entgegensetzen und sich bei dem Fütterzeitpunkt achtzehn Uhr keinen Millimeter bewegen.

Manche Leute halten hartnäckig an Traditionen fest. Weihnachten ist das beste Beispiel für Hartnäckigkeiten. Da gibt es so viele Beispiele, jeder kennt mindestens dreiundvierzig. Es muss also gar nicht weiter darüber gesprochen werden.

Einige Hartnäckigkeit braucht es auch, wenn man etwas erlernen möchte. Klavierspielen ist etwas, das eine länger andauernde Zuwendung benötigt, um irgendwann zu einem Resultat zu kommen, das die Ohren erfreut.
Hier lässt sich auch der Fleiß lobend erwähnen. Aber Fleiß ist nicht jedem gegeben. Der Unterschied zur Hartnäckigkeit liegt darin, dass der Fleiß etwas weicher daherkommt und nicht ganz so zielstrebig ist.

Es gibt auch hartnäckige Gefühle. Die kommen erst recht harmlos daher und dann krallen sie sich urplötzlich in die Schultern des Angefallenen. Verbeißen sich. Lassen sich auch durch wildeste Tänzchen nicht abschütteln.
Jetzt stehe ich da, fühle mich wie der Hund vor dem nicht existierenden Futternapf und warte, dass mich das, was sich festgeklammert hat, wieder loslässt.
Ich versuche es mit sanften Worten (ich habe dich bemerkt, ich sehe dich, ich nehme dich wahr, du musst gar nicht so fest beißen), ich versuche es mit Strenge (Jetzt ist es aber gut. Du kannst jetzt aufhören. Schluss!), ich versuche es mit Ignoranz (da ist nichts, da ist nichts, da ist nichts).
Allein, es hilft alles nicht. Hartnäckig hockt es da und lässt sich von nichts und niemandem beeindrucken.
Selbst Erpressung und Verlockung nutzen kaum (ich mache es dir ganz gemütlich, wenn du gehst, komm, lass`los und du bekommst noch ein Stückchen Kuchen).

Und weil das so ist, bin ich heute eben immer noch traurig, züchte mir ein paar weitere Falten und graue Haare.

Aber ich hoffe, dass es wie bei Warzen ist, die bekanntlich ebenfalls zu einer gewissen Hartnäckigkeit neigen.
Ganz plötzlich, wenn man gerade überlegt hat, sich diese fiesen Hautgewächse herausschneiden zu lassen, macht es plopp, und sie sind verschwunden. Einfach weg. Wie von Zauberhand.
Ich besorge mir noch eine schwarze Katze, einen halben Hahn, ein paar bewusstseinserweiternde Kräuter und dann findet man mich auf dem Friedhof, heute Nacht. Erst bespreche ich die Warze, anschließend das hartnäckige Seelengesindel.