Nun nennt man mich Zwei-Löcher-Lavendel!
Wie im wilden Westen, wo es den Drei-Finger-Joe und den Ein-Augen-Bill gab.
Drei-Finger-Joe verlor Daumen und Zeigefinger der linken Hand, nachdem er bei Doc Jellybean den Silberleuchter hat mitgehen lassen. Der Doc kannte bei so etwas keine Gnade und hackte ihm die Fingerchen noch am selben Abend ab, als Joe ermattet und volltrunken in der Badewanne des ortsansässigen Freudenhauses, wo er den Silberleuchter in Gefälligkeiten umgewandelt hatte, tief und fest einschlief.
Doc Jellybean kannte die Vorsitzende des Hauses persönlich und die hatte ihm sofort einen Boten geschickt, um ihn vom Verbleib seines Leuchters zu unterrichten.
Doc schnappte sich die große Heckenschere, lief zum Freudenhaus, schlich sich dort die Holztreppe hinauf und mit einem gut geführten Schnitt entfernte er beide Finger zugleich. Anschließend legte er eine Aderpresse an und brachte den nackten Joe nach Hause zu seiner Frau Cilly, die ihm kräftig mit dem Kochlöffel zwischen die Augen hieb, nachdem sie erfuhr, wo Doc Jellybean ihren Gatten aufgegabelt hatte.

Ein-Augen-Bill verlor sein linkes Auge bei einer gräßlichen Infektion der Bindehaut. Er hatte sich nach dem Besuch einer öffentlichen Latrine die Hände nicht gewaschen und rieb sich die Augen direkt im Anschluss an die Darmentrümpelung.
Zwei Tage später war sein Auge unter einer schwarzen Grindschicht verschwunden und das gesamte Gesicht schwoll an wie ein Hefekloß.
Der Tierarzt schaute sich Bills Gesicht an und meinte, das Auge müsste dringend entfernt werden, da er sonst an der Infektion sterben würde. Bill nahm die Beine in die Hand und flüchtete in die Prairie. Nach zwei weiteren Tagen lag er zusammengebrochen am alten Steinbruch, wo ihn die Indianer fanden.
Der Medizinmann Quackiger Salber rettete ihm das Leben, in dem er das Auge mit einem Büffelhorn aus der Höhle kratzte und stattdessen Nelken einfüllte.
Drei Wochen später war Ein-Augen-Bill soweit genesen, dass er nach Hause laufen konnte. Sein Pferd behielten die Indianer als Dank für die Hilfe.

Nun, ich bin jetzt also Zwei-Löcher-Lavendel. Und das kam so.

Ich saß heute morgen im Auto, hatte drei Pubertisten eingeladen und war auf dem Weg, den vierten abzuholen, da verspürte ich in meinem Nacken bereits ein leichtes Brennen.
Ich kümmerte mich nicht weiter darum, denn im Alter kommt es hier und da zu körperlichen Befindlichkeiten, die nur zum Ignorieren geeignet sind.
Ich fuhr weiter, der Weg nach Waldorffrutti Laramy war noch weit und es durfte keine Zeit verloren werden.
Nach der Hälfte der Strecke wurde das Brennen immer unangenehmer, ja, es wurde richtiggehend schmerzhaft.
Ich griff mir in den Nacken, konnte jedoch nichts ertasten.
Noch ein paar Kilometer weiter und der Schmerz trieb mir die Tränen in die Augen.
Was war denn das? Was schmerzte so? Ich blickte in den Rückspiegel. Und da sah ich es. Der Fürst Griku war dabei, mir mit seinem hasserfüllten Blick Löcher ins Genick zu brennen. Dieser Blick, die Wut, der Ärger, Zorn und Hass ermöglichten eine chemische Reaktion und die dabei entstehenden Blitze jagte er zwischen Sitz und Kopfstütze hindurch genau unterhalb des Haaransatzes.
Ich wollte ihn eben wortgewaltig zur Raison bringen, da war es bereits zu spät. Die Löcher waren drin.
Und nun sehe ich aus, als hätte mich ein total hirnamputierter und anatomisch uninformierter Vampir knapp neben die Wirbelsäule gebissen. Wobei seine Zähne Übergröße gehabt haben dürften, denn die Löcher sind ungefähr so groß wie meine Zeigefingerkuppe dick ist. Und ich habe Wurstfinger.

Wie dem auch sein, auf meinem Grabstein soll stehen:

Hier liegt
Zwei Drei Vier Fünf Sechs Viele-Löcher-Lavendel
Opfer tödlicher Blicke
und liebende Mutter