Wie am Titel nur unschwer zu erkennen folgt nun eine Abhandlung über das Elend des täglichen Unrats und dessen Verursacher Kunst in unseren vier Wänden. Fangen wir langsam an.

Verwirrte Tücher

In der Kunstsparte des Handtuchaufhängens gibt es hier besondere Werke. Das Zusammenknuddeln eines Handtuchs auf einem korrekt platzierten Tuch löst über den Anblick der Baumwollhandtücher Erinnerungen an schlimme Zeiten, damals, in den Südstaaten, aus. Der Künstler erreicht eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Handtuch an sich und im Speziellen, sowie der Geschichte der Baumwolle.

Ja, wer bist denn Du?

„Ja, wer bist denn Du?“, möchte man fragen, während man mit der Zahnbürste in der Hand auf dem Klodeckel sitzend den Blick streifen lässt. Dieser fällt auf ein Kunst-Pöppelchen.
Ein Kunst-Klopapierpöppelchen. Interessanterweise scheint es das Ziel seiner Reise, den nebenstehenden Mülleimer, nicht mehr erreicht zu haben. Wenige Zentimeter vor dem Ziel ist es entkräftet zusammengebrochen und gab auf. Was will uns der Künstler damit sagen?

Entlaufenes Tuch.

Keinen Schritt von seinem Zuhause entfernt, scheint hier ein Opfer der Handtuchverwirrung zu liegen. Man hofft, es habe sich nicht allzusehr quälen müssen, auf den harten und kalten Stufen des Lebens.
Denn nichts anderes lässt sich aus diesem Kunstwerk ableiten. Die allgegenwärtige Möglichkeit, nur wenig entfernt vom Zuhause das Ziel zu verfehlen und allein auf hartem Stein aufzuschlagen.
Darüber muss der Kunstbetrachter sinnieren.

Da schau her, auf der Flucht.

Direkt hinter der Badezimmertür ist eine leere Klorolle dekoriert. Sie war auf dem Weg nach Köln, hatte dort ein Vorsprechen für eine größere Rolle. Möglicherweise Küchenrolle, ich weiß es nicht. Weit gekommen ist sie nicht. Es tut mir leid für sie, die Chance ist vertan. Das Casting ist beendet, die Rolle vergeben. Aber in der hiesigen Kunstszene hat sie eine Festanstellung.

Gerümpel am Wegesrand.

Es scheint, das auf den ersten Blick so leblose Gerümpel flüstert sich Gedichte zu, wenn keiner vorbeigeht. Der Künstler zeigt in der Achtlosigkeit des Hingeworfenseins die schlummernde Möglichkeit der Überraschung.

Küche im Flur?

Man weiß nicht recht, was diese Instalation einem sagen soll, auf den ersten Blick. Möglicherweise ein schon etwas älteres Kunstprojekt..
„Leeres Glas an Messer, der Bäcker machte Eiterbrillen.“
Interessant auch die aktive Verdopplung durch den Spiegel. Der Künstler erzielt hiermit eine sonderbare Intensität.

Haufen.

 

Da liegt etwas auf der Treppe. Bei genauerer Ansicht lassen sich Shirt, Sportbekleidung, Strumpf und Höschen erkennen.
Der Künstler entledigte sich seiner Kleidung, nachdem er die Installationen mit all seiner Kraft hergestellt hatte. Vermutlich war er zur Gänze verschwitzt.
Und somit wird seine eigene Bekleidung zur Kunst. Formvollendet, wie das Unterhöschen sich zwischen den anderen Stoffen versteckt. Es übermittelt ein Empfinden von vergänglicher Scham, aber auch dem Wunsch nach Wechsel.

Immer offen.

 

Stets offen sein, für die Dinge, die das Leben einem anreicht. Nicht mehr und nicht weniger kann vermutet werden, als Aussage einer sich wie von Geisterhand selbst öffnenden Kellertür. Verschließe dich nicht, sagt sie. Ob nun kalter Hauch oder zarter Muff aus dem Türspalt dringt, sei mutig, stelle dich den Ängsten, die in einem Keller wohnen können.
Interssant und nachhaltig beeindruckend, das Kunstwerk der Kellertür.

Musik im Einklang mit der Nacht.

 

Im stockfinsteren, nächtlichen Wohnzimmer lauert ein weiteres Kunstwerk.
„Gitarrentaschenplausch an der heimischen Liegestätte“
Was für eine formvollendete Komposition. Wenn des Nächtens eh niemand auf dem Polster liegt, so soll doch eine Nutzung stattfinden. Die Kunst kann immer und überall zu finden sein, selbst in tiefstem Dunkel und unbemerkt.

Kitchenkomposition.

 

Hier nun die Krönung des künstlerischen Lebens in diesem Hause:
„Kitchen-Komposition“
Was wird uns präsentiert? Ein Pizzakarton, der von einem Burger-Styropor berherrscht wird. Ein Glas, in dem Milch und Vanilleeis eine Allianz eingingen. Eine leere Verpackung, die einen Tunnel auftut, durch den Gedanken eingesogen werden und wie bei einem schwarzen Loch, sämtlicher Eigenständigkeit beraubt, zu einem winzigkleinen und unsagbar schweren Gnöps zusammengepresst werden, der schmerzhaft auf der anderen Seite ausgeschleudert, wieder in den Kopf des Betrachters zurückkehrt.
Der kleine Kochlöffelstiel am Rande des Exponates deutet auf die zwingende Vermischung von Realität und Existenz hin, die unter kräftigem Rühren entsteht und eine schwerdauliche Suppe bildet.
Die ganze Instalation mitsamt dem schmutzigen Geschirr direkt auf einer Spülmaschine zu platzieren, zeigt die Doppeldeutigkeit des Künstlers. Fast könnte einem der Verdacht kommen, es handele sich um mehrere Künstler, die hier ihre eigenen Phantasien von Leben, der Welt und Verpflichtung ad absurdum führen wollen.

Nun. Ich bin völlig erschöpft von diesem künstlerischen Rundgang durch das Haus.
Aber ich bin auch stolz darauf, in einem Haus zu leben, in dem der Raum für Kunst ein großer ist und sich die Künstler ausleben können.
Denn das bedeutet Entwicklung und Veränderung.
Es bedeutet, kein Stillstand.
Es zeigt: Das Leben.