Für den Lauf der Welt ist es komplett egal, das Universum pellt sich ein Ei drauf, die Existenz allen Seins ist desinteressiert an meinem Problem.
Aber für mich macht es schon etwas aus. Für mich ist es wichtig.
Mich beeinträchtigt es massiv und treibt mich in den Wahnsinn. Und alle Pläne, Ideen, gute Ratschläge nutzen nichts. Überhaupt gar nichts. Alle Jahre wieder, ohne Ausnahme, stehe ich vor diesem Problem und bekomme einen an mich.
Was für ein elender Mist.

Fellwechsel.
Der Hund verliert das Winterfell. Und das ist eine echte Zumutung. Wer will schon alle fünf Minuten Staubsaugen? Na, ich nicht! Aber es wäre von Nöten. Der helle Teppich, wir erinnern uns, hat unschöne Auswüchse von dunklem Fell. Überall fluseln die schwarzen Haare herum. In den Ecken verbinden sie sich zu neuen Hunden, organlos zwar, aber von der Größe durchaus einem Chihuahua ähnlich.
Haare im Bett, Haare an der Kleidung, Haare auf der Treppe, Haare in der Küche.
„Bäh, Mama, schon wieder ein Hundehaar in meinem Glas!“ meckert das Etepetete-Wolkenköpfchen, Hundehaare in der Nähe von Lebensmitteln sind ihr erklärter Feind.
Killerdog wollte den Hund nicht mehr in sein Zimmer lassen, da er befürchtet, die vielen Haare würden sein Geburtstagsgeschenk, einen feschen Laptop, verunreinigen. Das möchte er nicht.
Fürst Griku ist wenig amüsiert, wenn er, im Falle seiner seltenen Anwesenheit, in seinen selbstgedrehten Zigaretten ein Hundehaar übelriechend inhaliert. Da, das gestehe ich, klatscht meine dunkle Seite in die Hände und ist höchst erfreut.
Der Gutfrisierte schaut immer nur leidend auf das haarige Problem, da er aber über ein hohes Maß an Leidensfähigkeit verfügt, sagt er nichts weiter dazu.

Auskämmen, Bürsten, Waschen, Absaugen.
Das alles kann man machen. Im Endeffekt ändert es nichts an der Flut der Haare. Letztes Jahr wechselte der Hund erst im Mai das Fell, was sehr angenehm war, da er innerhalb kürzester Zeit alles abwarf. Jetzt lässt er es etwas langsamer angehen, dafür wird er vermutlich auch ein bisschen länger brauchen.
Bis dahin habe ich regelmäßig Hundhaarsohlen unter den Pantoffeln. Damit rutscht es sich hervorragend, gerade auf der Treppe führt das zu interessanten Performances.
Bein hoch, kurze Drehung, Arme ans Geläder und halten, halten, halten. Oder auch Arme eng an den Körper und dann geschmeidig auf dem Steiß abrollen. Es gibt soviele Choreografien, dass es eine wahre Freude ist.

Wie Hundehaare in das Tiefkühlfach gelangen, das ist wiederum eine Frage, die mich wirklich umtreibt. Möglicherweise habe ich den Kindern jahrelang ein Unrecht widerfahren lassen, wenn ich sie beschimpfte, weil meine höchstprivaten Eisbecher mit nur einem Löffel Rückstand im Kühlfach aufzufinden waren.
Mag sein, es war schon immer der Hund, der sich meine abendlichen Eiscremefreuden unter den Nagel gerissen hat. Die Indizien sprechen dafür, zumal alle Kinder es stets mit einem treuen und ehrlichen Augenaufschlag verneinten und bestritten, an meine kühle Süße gegangen zu sein. Sollte ich mich entschuldigen müssen? Hätte ich ihnen glauben sollen? Wäre ich verpflichtet gewesen, einen Diebstahl durch den Hund in Erwägung zu ziehen, wo er doch so häufig vermutet wurde, von Kinderseite?

Wie auch immer.
Diese schwarzen Hundehaare überall sind so unnütz.
Wobei, irgendwann einmal, bei den Reisen durch das unglaubliche Internetz, begegnete mir eine Seite, auf der zeigte eine Frau Pullover aus selbstgesponnener Wolle. Und der Rohstoff dieser Wolle war mitnichten ein Schaf oder eine Ziege oder ein Karnickel. Es war Hundefell.
Sollte ich die ganzen Haare sammeln und gegen ein Entgelt abgeben an Spinnerinnen?
Also ich kann nicht spinnen. Zumindest nicht Hundehaare zu Garn. Bedauerlicherweise auch nicht Stroh zu Gold.
Ach, nein. Ich hole jetzt den Sauger und gebe mich ganz seinem monotonen Klang hin, werde selbst in der gleichen Frequenz vor mich hin summen und, wenn ich genau den Saugton treffe, in eine meditative Symbiose von Mensch und Maschine eintreten.
Saugtrance.