Ich habe wunderschöne Bilder aus dem Wald. Ein sehr gut getroffenes Buschwindröschen, das sich grazil im leichten Wind wiegte, einen Hauch von rosa auf den zarten Blütenblättern.
Eine erst wenige Momente aufgetaute Blindschleiche schlängelte sich über meinen Weg und posierte kurz vor meiner Linse.
Die Sonne lachte zwischen den Bäumen hervor.
Wirklich. Sehr hübsche Bilder, die die Stimmung im Wald von Aufbruch und Erwachen zeigten.

Und? Wo sind sie?
Nun, hier jedenfalls nicht. Und warum nicht?
Weil sich das Kabel in Luft aufgelöst hat. Dieses Verbindungskabel. Jenes Kabel, das mir gehört, aber in diesem Haushalt heiß umkämpft ist. Es gab dieser Kabel gar viele, aber der gedankenlose Umgang mit ihnen, das Rupfen und Zupfen, hat dazu geführt, dass schon einige ihren Beruf hier an den Nagel gehängt und sich stattdessen für eine Anstellung im Recycling-Bereich entschieden haben.
Übrig blieb ein unermüdliches Kabel, das den weiten Weg von Berlin ins Rheinland auf sich nahm, um bei mir, bei mir, und zwar nur bei mir! seinen Dienst anzutreten. Dann kam es, wie es kommen muss.
„Mama, kann ich mal dein Kabel leihen?“
„Ja, aber nur, wenn du es mir direkt wiederbringst.“

Eine Stunde.
Zwei Stunden.
Drei Stunden.
Vier Stunden.

„WO IST MEIN KABEL?“
„Ja, chill mal, kommt schon.“

Schon. Die Bedeutung des Wortes „SCHON“ werde ich in diesem Haushalt sicherlich am Ende meines Lebens mindestens so häufig erörtert haben, wie die Bedeutung von „Jetzt“, „Gleich“ und „Später“.

Und nun, nach der einhundertvierundfünfzigsten Wiederholung des eben gelesenen Dialogs, ist es weg. Natürlich. Und keiner hat es. Und niemand hatte es zuletzt. Und ich bin es sicher selbst schuld, denn möglicherweise habe ich das Kabel versteckt, damit es kein anderer nimmt. Und zwar so gut versteckt, dass nicht einmal ich selbst weiß, wo es zu finden ist. Weil das meine Art ist, die Sachen zu verstecken, die andere nicht benutzen sollen.
Es stimmt. Ich mag es nicht, wenn andere, auch wenn es Familienmitglieder sind, meine Schokolade benutzen. Darum muss ich sie leider wirklich verstecken. Aber ich weiß, wo ich sie verstecke. Und wenn das ginge, würde ich auch mein Eis verstecken. Denn das ist im Tiefkühlfach nicht sicher und mit Sicherheit weg, wenn ich es benutzen möchte.
Das Kabel habe ich aber nicht versteckt. Und jetzt ist es unauffindbar. Und ich bin es natürlich selbst gewesen. Das habe ich zu verantworten. Niemand sonst. Und warum rege ich mich eigentlich auf über so ein Kabel. Was soll das denn?

Weil es, Donner und Doria, mein Eigentum ist. Meins. Meins. Meins!!!!
Und weil ich es brauche, damit ich meinem Blog Fotos zufügen kann.
Weil ich meine Worte mit Bildern hin und wieder unterstreichen möchte. Oder meinen Bildern Worte geben will.
Weil ich das beste jemals gemachte Foto aus dem Inneren einer Autowaschstraße gemacht habe und dazu eine lustige Geschichte erfinden wollte. Etwas über Platzangst, hysterische Kinder und Hundegase in Momenten ohne Fluchtmöglichkeit (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Tieren wären rein zufällig und ungewollt).

cropped-magnolia1.jpg

Stattdessen gibt es olle Magnolie vom letzten Jahr.
Und ich suche jetzt weiter. Aber nicht, ohne mindestens achtunddreißig mal „Donner und DORIA!“ zu brüllen, weil ich das richtig schick und klangvoll und der Situation angemessen finde.