Die Magnolie im Garten ist ein uraltes Gewächs. Sie wurde gepflanzt, als das Haus nach dem Krieg gebaut wurde. Sie hat allen Widrigkeiten getrotzt und selbst, als man ihr einen großen Teil des Stammes abgesägt hat, ließ sie sich das erneute Austreiben nicht nehmen.
Seit wir neben ihr wohnen, haben wir auch schon einiges abgeschnitten. Nun ist sie mittlerweile so hoch wie das Haus und ziemlich ausladend. Und in ihr treibt ein Pilz sein Unwesen.
Es scheint, langsam geht sie dem Ende entgegen. Ein paar Jahre wird sie noch schaffen, aber über kurz oder lang wird eine riesige Lücke dort klaffen, wo sie jetzt steht.
Und weil ich weiß, dass sie nicht mehr auf ewig dort steht, bin ich ihr gegenüber milde gestimmt.
Ich lasse sie nach nur einer Woche Blüte ihre Blätter abwerfen und fege sie mit einem melancholischen Gefühl zusammen.
BlütenUnd denke dabei über die Zusammenhänge nach. Von Vergänglichkeit und Schönheit. Von Pracht und Verfall.
VorbeiEs wird ganz anders aussehen, das Haus und der Garten, wenn sie nicht mehr da ist.
Vielleicht ist die Vorstellung von Kontinuität nur eine Illusion.