Sehr geehrter Herr Fahrradfahrer in dem feschen, eng angliegenden Leibchen und der keine Geheimnisse wahrenden Radlerhose,

wir sind uns heute morgen begegnet. Sie auf Ihrem Rennrad neben dem Radweg fahrend und ich die Straße nutzend. Ich war die Dame mit dem dunklen, großen Auto, bis unter das Dach vollgestopft mit Jugendlichen und einem Hund, die so schrecklich gestikulierte und deren Rufe bis auf die Straße schallten, obwohl die Fenster geschlossen waren.

Die Stelle, an der wir uns Auge in Auge gegenüber gerieten war diese nette, unübersichtliche Kreuzung, die jedem Verkehrsteilnehmer dringend gebietet, mit einer guten Portion Vorsicht und Rücksichtnahme vorzugehen. Dem Radfahrer, dem Mopedfahrer, dem Fußgänger, dem Autofahrer, dem Busfahrer, dem Traktorfahrer, dem Fußgänger, dem Inlinerfahrer, dem Rollerfahrer. Allen.
An solch einer Kreuzung, einem Meisterwerk menschlicher Kommunikationserzwingung, tut man das, was man in der Fahrschule schon seit Erfindung der Fahrschule erzählt bekommt. Man tastet sich hinein, in eine solche Kreuzung. Sanft, zärtlich fast, ohne etwas erzwingen zu wollen. Selbst wenn es ein bisschen schwülstig klingt, hier gilt es, auch die Bedürfnisse des anderen zu erahnen und diesen entgegen zu kommen, sonst macht es einfach keinen Spaß. Bedauerlicherweise hat es heute morgen mit uns beiden nicht besonders gut funktioniert. Wir waren nicht auf einer Wellenlänge. Unsere Gefährte takteten nicht im Einklang.

Ich vermute, Sie konnten leider nicht genau verstehen, was ich Ihnen durch das geschlossene Fenster zukommen ließ, darum jetzt noch einmal in klaren, verständlichen Worten:

PASS GEFÄLLIGST AUF, DU DÄMLICHES ARSCHLOCH!!!
Wenn Du Dich umbringen willst, dann mach`das woanders und benutze nicht mein vollbesetztes Schlachtschiff dafür! Stürz` Dich von einer Brücke oder schlitz`Dir den Hintern auf, aber lass` mich mit Deinen suizidalen Absichten in Frieden.
VOLLIDIOT.
Sonst tue ich Dir das nächste Mal den Gefallen!

Nachdem das soweit gesagt wäre, hoffe ich auf kein weiteres Zusammentreffen, denn es gibt viele Verkehrsteilnehmer, mit denen es deutlich besser und harmonischer funktioniert an dieser Kreuzung, als es mit Ihnen der Fall war.
Ich wünsche für die nächste Fahrradfahrt alles Gute und vermeiden Sie Hals- und Schädelbruch.

Mit freundlichen Grüße,

Frau Lavendel