Ein hin und her ist das in den pubertären Stürmen. Eben noch war es das große Glück des Lebens, die Liebe schlechthin, kein anderes weibliches Wesen konnte ihr das Wasser reichen und schon ist sie erledigt. Erfreulicherweise, wie ich als besorgte Mutter hinzufügen möchte. Hat doch dieses kleine Luder dermaßen viele Stangen Sprengstoff ins Familiengetriebe geworfen, dass es in einer Tour nur schepperte und krachte.

Nun könnte Ruhe einkehren, ein bisschen Zeit zum Luftholen sein. Aber ich traue nicht, mich von Entspannung übermannen zu lassen. Wer weiß, was als nächstes kommt.
Diese Sache mit den Mädchen ist für die Jungs ziemlich existenziell, scheint es mir.
Und als Mutter der Jungs möchte man zwar mit spitzen Zähnen, scharfer Zunge und hexiger Warze auf der Nase die Damen erst einmal einer Grundkontrolle unterziehen (lügt sie? verhütet sie? geht sie zur Schule?), aber die Zeiten sind heute nicht mehr so. Die Kinderchen bringen potentielle Partner ins Haus und man hat dazu die Klappe zu halten.
Früher, ja früher, da war alles besser. Da wurde erst einmal der junge Mann zur Seite genommen, die potentiellen Partnerinnen durchgesprochen, er durfte Selbige dann der Reihe nach abklappern, wobei er Eltern und Lebensumstände kennenlernte, dann setzte man sich wieder zusammen, schaute sich die Damen an und der Familienvorstand (früher wäre das der Jungsvater gewesen, heute würde ich das Amt für mich beanspruchen, da ich immer auf allen Elternabenden war und Frau Schiller-Locke bei ihren Ausführungen zuhören musste und Frau Ego-Ista bei ihren Arschkriechereien zuschauen durfte, auf dass ihre kleine Schanaia-Katrina eine gute Note bekommen möge, aber genug der Schweifung!) hätte entschieden, welches Frollein denn genommen werden würde.

Aber nein, heute ist das wie eine Losbude. Du weißt nie, wer als nächstes durch die Tür kommt. Welche Dame Du als nächstes in die Abläufe einbauen und mögen sollst.
Und schlimm auch, schon vorher zu wissen, Junge, das ist nix, aber nichts sagen zu dürfen. Denn dann denkt er vier Wochen länger, das ist es, bevor er merkt, das war nix.

Nun geht er wieder zur Schule. Was für eine Freude. Mal sehen, wie die Sache sich entwickelt. Hoffentlich lässt er jetzt erst einmal die Finger von den Damen und bleibt bei den Basics. Und wie kann ich ihm so diplomatisch wie nur irgendmöglich mitteilen, dass er einen Schulabschluss benötigt, weil ihm das auch die größte Liebe nicht ersetzt. Das sind Fragen, mit denen habe ich nicht gerechnet. Dass mir das Leben solche Aufgaben zukommen lässt. Einem im vollen Hormonrausch befindlichen jungen Mann davon zu überzeugen, dass es wichtigere Dinge als Sex gibt, das ist eine Mamutaufgabe. Lieber hätte ich die Pyramiden erbaut. Mit einer Hand.