Killerdog ist ein Fußballer. Sowohl vor dem Fernseher als auch auf dem Platz. Mit Leib und Seele. Und hat jetzt die Mannschaft gewechselt, da seine alte Mannschaft sich auflöste. Oder aufgelöst wurde. In Luft. Was soll man auch machen, wenn eine Horde Burschen nach einer Niederlage eine Umkleide in Schutt und Asche legt. Glückwunschschreiben gibt es dafür nicht.
Nun, Killerdog ist ja bekanntlich ein ganz wilder Kerl und hatte sich schon vor der Eskalation vom Acker gemacht. Auf die Frage „Flucht oder Kampf“ ist die Antwort bei ihm sonnenklar, er ist ein schnelles Kerlchen.
Nun also eine andere Fußballmannschaft und dort trainiert es sich hart. Sehr hart. Das führt dazu, dass er schmerzgeplagt nach Hause kommt.
Gestern hatte er schlimme Schmerzen in der Bauchregion und meinereiner kann es nicht mehr leiden, wenn die Kinder Bauchweh haben. Darum hockte ich vor ihm, sah ihn schon sterbend und bleich die Hand nach mir ausstrecken und leise: „Mama, ich liebe dich, aber du musst mich gehen lassen…“ hauchen. Jesses, was bin ich ein Wrack geworden. Keine Ahnung wie das funktionierte, früher. Ich habe es wirklich verlernt, dieses: „Ach, wird schon, morgen isses weg.“
Ich konnte das, aber es ist mir auf der Intensivstation abhanden gekommen.
Und so hing ich vor ihm und dachte über zweizeitige Milzrupturen nach und litt. Ich wollte eigentlich sofort ein Hospital aufsuchen, aber der Gutfrisierte trat auf die Hysteriebremse und meinte, bei einer Muskelzerrung würde man tendenziell nicht sterben. Na, sein Wort in Gottes Ohr.

Wie auch immer, der Bub konnte seine Hausaufgaben dann im Verlauf des abends nicht mehr vollständig erledigen und so etwas hasst er ja. Mit unerledigten Hausaufgaben in die Schule gehen zu müssen, das ist für ihn die Höchststrafe (selbstverständlich hat er das von mir, man nannte mich auch das fleißige Bienchen! AUA! Meine Nase wächst.).
Heute morgen zwang er mich dann, ihm Entschuldigungen für nicht gemachte Hausaufgaben wegen körperlichen Unwohlseins auszustellen. Bei den Mathematikhausaufgaben ging das ganz gut. Sehr geehrter Herr Blablabla, Killerdog hatte gestern ein körperliches Unwohlsein, weshalb er seine Hausaufgaben nicht erledigte, die er selbstverständlich am Wochenende nachholen wird. Danke für Ihr Verständnis, herzliche Grüße, Frau Lavendelblablabla.
Auch für die Fremdsprachenhausaufgaben lief es. Sehr geehrte Frau Trullalla, leider konnte Killerdog gestern nicht vollständig alle Aufgaben erledigen, bitte haben Sie Verständnis, ihm war es nicht so. Herzliche Grüße, Frau Lavendelula.
Aber bei den Religionshausaufgaben hatte ich einen Blackout. Plötzlich wurde um mich herum alles dunkel und mir war ganz schwefelig zumute.
Ich überreichte Killerdog seinen Stapel Entschuldigungen, er las sie der Reihe nach durch, schüttelte dann den Kopf, schaute mich an, schüttelte wieder den Kopf, und reichte mir das Blatt mit den Worten: „Isch möschte das nischt.“

„Liebe Religionstrulla.
Hausaufgaben in Religion? Was ist das denn für ein alberner Scheiß? Geht`s noch?
Echt, so einen Blödsinn muss Killerdog auf keinen Fall machen. Mach` doch Deinen Kack allein, olle Bratze.
Und dann alles Gute, bis demnächst, Dein alter Kumpel Satan.“

Ich kann mich nicht daran erinnern, so etwas geschrieben zu haben. Ich schwöre, ich war das nicht.
Aber ich mache mir jetzt schon ein bisschen Sorgen…