Der Wald hat zwei Seiten.

zweiseitigAuf der linken Seite hat er schon viel Grün und lässt den Frühlingswald raushängen.
Auf der rechten Seite tut er so, als wäre der Winter noch lange nicht erledigt.

Ich habe genauer hingeschaut und festgestellt, es sind die Eichen. Die Eichen haben noch keinen Schwung geholt. Und die Robinien. Sie stehen da, noch nackig und braun, verweigern sich dem zarten Grün.
Die Buchen hingegen haben sich ins Zeug gelegt und grünen, was nur geht.
Auch die wilden Kirschen. Und das andere Gemüse. Hartriegel und Konsorten.

Nun laufe ich morgens durch den Wald und singe lauthals: „Komm`lieber Mai und mache die Bäume wiehieder grün.“
Das ist den Eichen und Robinien mehr als egal, ich vermute, sie bemerken es nicht einmal. Selbst wenn ich es ihnen direkt gegen die Rinde brüllen würde, wäre es für sie nicht mehr als ein leichtes Husten von den Waldameisen.
Sind die Bäume demnach vielleicht Ignoranten? Oder doch echte Gemütswesen, durch nichts aus der Ruhe zu bringen?
Ich weiß es nicht.
Nach wie vor sind unsere Gespräche relativ einseitig. Aber ich gebe nicht auf und bleibe am Ball.
So, wie ich es im Fortbildungskurs „Pubertät überleben- Eltern sein leichtgemacht“ gelernt habe. Immer im Gespräch bleiben, den Kontakt nicht abbrechen, interessiert bleiben.
So anders ist das bei den Bäumen jetzt auch nicht, also gefühlt, meine ich.
Was die Resonanz der Bemühungen anbelangt.
Pubertisten und Bäume haben das ein oder andere gemeinsam.