Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, und mich dann wiederholte an dieser Stelle, sind die nun nicht mehr ganz so neuen Nachbarn ein seltsames Trüppchen.
Ich bin jetzt auch nicht so der hervorragende Nachbarschaftstyp. Natürlich kann man sich bei mir immer Zwiebeln, Eier, Kartoffeln und Spülmaschinentabs besorgen. Ich will die auch nicht zurückhaben, weil ich unter Garantie früher oder später ebenfalls vor der Tür stehe, um Butter, Zucker oder Waschpulver zu schnorren.
Aber ich stehe nicht auf dieses Nachbarschaftskontrollverhalten. Wer kommt wann und mit wem aus welcher Richtung die Straße hoch? Das ist mir doch egal. Wer hat mit wem beim Tennisvereinspartyabend hinter dem Vereinshaus geknutscht und welche Beziehungen gehen danach in die Brüche? Bekomme ich eher zufällig erzählt, wenn überhaupt, da sich mein Interesse daran in sehr engen Grenzen bewegt.
Leben und leben lassen ist ein gutes Motto, finde ich.
Aber die Gartennachbarn hinter dem Haus lassen ungern leben. Sobald ein Jugendlicher einen Fußball auch nur anschaut, fangen sie an zu brüllen und zu lamentieren, behaupten, ihre Tomaten wären von einem Ball getötet worden und entblöden sich auch nicht, ihren verrotteten Gartenzaun in Rechnung stellen zu wollen, der mitnichten durch Wind und Wetter sondern allein durch dagegen titschende Bälle ruiniert worden sei.
Deppen.

Aber das nur am Rande, eigentlich wollte ich mitteilen, dass die Vögel aus dem Glaspalast noch immer versuchen, diesen Trampelpfad zu verhindern. Nach wie vor fällen sie Bäume, um diese dann auf den Weg zu legen, auf dass keiner mehr im Abstand von fünfundsiebzig Metern an ihrem Haus vorbeigehen kann.
Und nach wie vor stelle ich mir die Frage, was das soll.
Sie sind reich. Sehr reich. Ja, verdammt reich. Ihnen gehört ein riesiges Haus mit einem riesengroßen Garten, direkt am Wald, der zum Teil auch noch ihnen gehört. Und da führt ein klitzekleiner Trampelpfad durch. Davon fühlen sie sich gestört, oder was? Weil Menschen durch ihr Waldstück gehen? Und vielleicht einen Hund dabei haben?
Ich verstehe es nicht. Und da bin ich, wie meine Kinder. Wenn etwas verboten wird, dann will man auch wissen, warum und ob das sinnvoll ist. Wenn es sinnvoll ist, dann kann man damit gut leben. Wenn aber der Eindruck entsteht, hier will jemand einfach nur das „Ich will aber!“-Spielchen spielen, dann passiert folgendes, es bildet sich ein Widerstandsknubbel.
Und das geschieht gerade in diesem Waldstück. Seit einem Jahr räumt eine unzusammenhängende Widerstandsknubbelgruppe jeden Ast und jeden Baum zur Seite.
Erst dachte ich, nur ich täte solch einen eigentlich seltsamen Unfug, denn im Grunde könnte ich auch wo anders lang gehen. Aber nein, Killerdog zum Beispiel zieht auch das Geäst zur Seite und freut sich dabei. Es scheint aber noch mehr Ästeverräumer zu geben. Denn erst kürzlich war der Weg plötzlich frei und wir waren es nicht.
Heute morgen allerdings lagen wieder massenhaft Baumstücke auf dem Weg, so dass fast kein Durchkommen war.

Ich habe gezogen und gezerrt, mir durch einen flitschenden Ast einen schicken Schmiss geholt und einige Kratzer an den Händen zu verzeichnen. Aber der Pfad ist wieder frei und ich konnte dabei meinen völlig unangemessenen Wutausbruch durch körperliche Ertüchtigung kompensieren.

Was macht mich daran so zornig? Warum möchte ich ausspucken, sobald ich dieses Riesenhaus erblicke? Warum überlege ich, dem Hund anzutrainieren, denen immer vor das große Tor zur Einfahrt zu kacken?
Das ist doch nicht normal. Die anderen sind mir doch auch egal. Nicht alle, aber die meisten schon. Und wenn die bekloppte Sachen machen, bin ich kurz genervt und dann geht es auch schon wieder.
Aber bei denen brennt sich eine richtige Form von Abscheu ein. Manchmal sehe ich das Juppie-Pärchen bei leichter Gartenarbeit oder bei festlichen Anlässen dekorativ im Garten herumstehen und es fällt mir wirklich schwer, nett zu sein. Und unvoreingenommen bin ich schon überhaupt nicht.
Ich könnte ihnen vor die Füße speutzen und der freundliche Gruß bleibt mir wie eine fette Kröte träge im Hals hocken.

Vielleicht ist es dieses Gefühl von Hochherrschaftlichkeit, das mich ärgert. Dieser gleicher als gleich Gestus, der über ihren Zaun schwabbt. Ich bin ein Freund der gleichen Augenhöhe.
Oder ist es der Sozialneid, der mich quält? Neide ich ihnen ihr Grundstück? Ihre finanzielle Sorglosigkeit? Den Waldbesitz?
Ich weiß es nicht. Es scheint ja sehr anstrengend zu sein, Wald zu haben, den man vor Spaziergängern beschützen muss. Also, diesbezüglich möchte ich nicht mit ihnen tauschen.

Am Liebsten wäre mir, ich würde die nicht einmal ignorieren.
Aber wenn der Weg dann wieder mit frisch gefällten Bäumen verlegt ist, ich die stattlichen Äste mit jungem Grün dort liegen sehe, dann könnte ich sofort klingeln gehen und ihnen entgegen brüllen, dass sie Bäume töten, nur damit kein Wanderer über diesen Weg geht und ich den Respekt für die Bäume und auch die Menschen vermisse.
Mache ich aber nicht.
Ich ziehe die Äste zur Seite.
Wie viele Jahre dieses völlig bescheuerte Spiel wohl noch geht?
Wer als erster aufgibt?
Hat das irgendeinen Sinn?

Kommen wir nun zu etwas völlig anderem.
Nochmal zu gestern:

Den Song zum Haushalt meinte sie sicher ironisch, die Johanna. Aber da mir gern einmal dieser Song geträllert wird, wenn ich zum wiederholten Male die Notwendigkeit der Mitarbeit jugendlicher Mitbewohner bei Haushaltstätigkeiten anmahne, hasse ich ihn zutiefst. Und weil man die Kinder ja nicht schlagen soll (warum eigentlich nicht?), möchte ich stattdessen die Urheberin dieses Liedes batschen.
So einfach ist das.
Und mir scheint, ich habe gestern mit diesem Post einen Nerv getroffen, denn die Statistik ist hochgehüpft und hat mir die Grafik versaut. Wenn ein einzelner Balken in die Höhe schießt, sieht der Rest so poplig aus.
Aber ich kann das aushalten, es freut mich doch immer sehr, wenn ich ordentlich viele Leser habe, die sich hier amüsieren.
Wie Ihr herkommt, finde ich aber immer wieder lustig.
Wenn nämlich, wie gestern geschehen, jemand googelt „im vollen zug am hintern riechen“ und darüber bei mir landet, dann muss ich echt lachen.
Was ist denn das für eine Anfrage?
Und was für Kopfbilder entstehen bei so einem Suchbegriff?
Der ICE von Köln nach Frankfurt, eine Horde laptopbespielende Menschen in Businesskleidung beschnüffeln sich gegenseitig.
Nun, mir reicht das schon immer, wenn die Hunde das im Wald machen. Bei sich gegenseitig.

Und nun?
Ja, nun mache ich das bisschen Haushalt und das ist nicht schlimm, sagt mein Mann.
(Wobei ich noch Stunden weiter vor mich hinschreiben könnte, wenn ich könnte, wie ich wollte und würde, wie ich könnte.)