Sonntagmorgen, viertel vor neun, und ich bin schon seit einer Stunde wach.
Gerade machte ich mir eine Tasse Tee und sah am Küchenfenster die ersten Jogger vorbeihüpfen. Dabei spürte ich wieder dieses tiefe Gefühl der Einheit von Körper und Geist bei mir. In vollkommener Übereinstimmung sagen sie, sie möchten um diese Uhrzeit nicht joggen. Sie möchten überhaupt nicht joggen. Und wenn der Geist manchmal doch behauptet, joggen zu wollen, zeigt der Körper sehr deutlich, was er von dererlei Ideen hält.
Vor dem Fenster beginnt der Rhododendron zu blühen und die Azaleen werfen sich in ein hübsches Rosa. Auch die Zierquitte blüht, das tut sie schon seit Februar, es scheint, sie will dieses Jahr gar nicht aufhören damit. Seit ich sie umgesetzt habe, blüht sie nicht mehr in zartem Rosé, sie hat sich für ein knalliges Orange entschieden.
Wenn jetzt noch das Dingsda in Gelb blüht, dann habe ich meine Lieblingsblühzeit erreicht.

Sonntagmorgen, jetzt schon recht nah an neun Uhr, und es ist vollkommene Stille im Haus. Ich höre keinen einzigen Ton, außer dem Klappern der Tastatur. Ich bin als erste wach. Wie anders war der Sonntagmorgen noch vor ein paar Jahren, wenn ich völlig erschlafft in meinen Kissen lag und eine kleine Herde durch das Schlafzimmer sprang und fröhlich den Tag begrüßte. Manchmal wollte ich in solchen Momenten weinen vor Erschöpfung.
Da war man in der Nacht dreimal aufgestanden, weil abwechselnd jedes Kind einmal kurz Hilfe benötigte. Und spät zu Bett gegangen war man auch, weil noch so viele Dinge zu erledigen waren. Trotzdem hat man sich nach diesem kurzen Moment der gegönnten Schwäche aus dem Bett gepellt und für ein feines Frühstück gesorgt, auf dass die kleine Bande sich den Bauch vollstopfen sollte.
Wenn sonntagsmorgens um acht schon das Frühstück vorbei, der Tisch abgeräumt, die Kinder angezogen und auf dem Weg in den Garten waren, sofern es nicht Bindfäden regnete, um mit ihrem fröhlichen Spiel auch den ein oder anderen Nachbarn durch heiteres Lachen zu wecken, fühlte der Tag sich schon nach mittendrin an.

Heute ist es still. Wie habe ich mich früher danach gesehnt. In den schönsten Farben habe ich mir das Ausschlafen ausgemalt. Es fühlte sich so schrecklich weit entfernt an. So unerreichbar. Und heute ist es da. Die Möglichkeit, genausolang wie die kleine Herde im Bett zu liegen und zu schlafen, bis der Tag halb vergangen ist.
Und?
Ich mache es nicht. Ich habe mich lange Jahre danach gesehnt, jetzt könnte ich es und lasse es bleiben. Es ist mir gar nicht so wichtig wie ich dachte.