Mir wird hin und wieder unterstellt, ich hätte einen Putzfimmel.
Als die Kinder noch klein waren, da sagte mir ein Freund, dass man trotz der Blagen bei mir vom Boden essen und in der Küche eine Operation am offenen Herzen durchführen könne. Das ist natürlich vollkommen übertrieben und es ist immer eine Frage der Perspektive. Bei jemandem, der im Chaos sitzt, macht das Haus hier natürlich einen übersauberen Eindruck. Wohingegen jemand mit einem echten Putzzwang bei den hiesigen Verhältnissen in Tränen ausbrechen würde.

Menschen, die zuerst mein Auto kennenlernen, sind allerdings davon überzeugt, dass ich die größte Wutz der Stadt bin. Ein Blick hinein und man erkennt, hier ist kein Ordnungsfanatiker am Werk, auch kein Hygieneapostel und erst recht kein Reinlichkeitshysteriker.
Das Auto ist eine fahrende Müllkippe. Überall liegt Abfall herum.
Der Stand der letzten Zählung, also von heute, elf Uhr:
– eine leere Cola-Limonade-Mischgetränkflasche mit Schimmelansatz
– eine leere Wasserflasche mit Limettenaroma
– eine leere Wasserflasche ohne alles
– zwei leere Eistöpfchen
– vier leere Kaugummidosen, gefüllt mit durchgekauten Kaugummis
– drei benutzte Taschentücher
– siebundzwanzig Bonbonpapierchen
– eine schwarze, mumifizierte Banane
– drei lose durchgekaute Kaugummis
– drei Kilo Tannennadeln
– drei Kilo Hundehaar
– ein Pfund nicht mehr differenzierbare, unbestimmbare Biomasse
– drei Q-Tips
– fünf Haarspangen
– ein einzelner Socken
– siebenundzwanzig Popel
– eine vertrocknete Hundekotze
– zwei zerrupfte Heftseiten
– eine Zeitung
– eine Benachrichtigung vom Schornsteinfeger
– eine Benachrichtigung der Schule über ein Beratungsgespräch
– vierundneunzig Kassenzettel und
– fünf Kontoauszüge

Der Stand von heute fünfzehn Uhr:
– nichts.
Alles sauber. Kein Müll. Und nicht nur das, freie Sicht für freie Fahrer. Sprich, es ist auch bei dämmerigem Licht möglich, aus dem Auto zu schauen. Und der Gegenverkehr blendet nicht mehr durch die sogenannte Schmierfilmlichtbrechung.
Und auf den Fußmatten, die übrigens schwarz und nicht, wie zuletzt behauptet, kackebraun sind, befinden sich nur noch ein paar wenige kleinere Fleckchen.
Es halten sich nur noch Gebrauchsgegenstände im Wagen auf. Eiskratzer, Parkscheibe, unbenutzte Taschentücher, ein paar CDs, Handschuhe (im Handschuhfach, hähä!) und feuchte Desinfektionstücher.
Nein, ich habe keine Bakterienphobie, aber manchmal bekleckere ich mich beim Fahren mit Eis und dann sorgen die Tücher dafür, dass ich nicht so arg klebe.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Ich habe das Auto geputzt. Richtig hart und heftig. Mit Feuchtwischen und mit Wasser und Schaum und allem.
Nun ist es so sauber. Herrlich. Und es stinkt auch nicht mehr so gräßlich nach Hund, was vermutlich auch daran liegt, dass ich die Hundekotze weggeschrubbt habe. Nur dieses Hundehaarproblem, das erweist sich als sehr hartnäckig. Diese Haare halten sich an den Sitzen, an den Rückseiten der Sitze und am Boden fest. Überall. Selbst mit dem Turbosauger an der Tanke ist es kaum möglich, diese Haare loszuwerden. Ich habe es mit Bürsten und Pusten und Rubbeln versucht.
Am Besten geht es mit einem nassen Lappen, mit dem man kreisförmig über die Flächen reibt. Aber das dauert. Und darum habe ich allen ernstes vier Stunden lang im Auto gehockt und es sauber gemacht. Nur um dieses Haarproblem in den Griff zu bekommen. Und?
Morgen?
Springt der Köter in die Karre und wundert sich, warum seine Höhle nicht mehr so lecker riecht und dann fängt er von vorne an, das Auto zu seiner Heimat zu machen, in dem er es vollstinkt.

Erwähnte ich eigentlich meine Leidenschaft für die Geschichte von Sisyphos? Nennt mich Sisy.

 

P.S.: Eben die Nase geputzt. Sah aus, als hätte ich eine Schicht im Kohlebergwerk gehabt (wie jetzt? Zu eklig? Kein Vergleich zum Auto! Das war eklig!).