Da schau einer her, das vierte Zwölftel macht sich davon.
Der April ist so gut wie weggelebt und ich schaue ihn mir einmal in aller Ruhe an, weil alle noch im Bett liegen und schlafen, selbst der Hund völlig erschlafft in seinem Körbchen liegt, leise schnarcht, es draußen regnet und ich im Halbdunkel meine Gedanken wandern lassen kann.

Der diesjährige April hat dem vergangenen April einmal gezeigt, was eine Wetterharke ist. Lag letztes Jahr noch Schnee und kratzte ich die Scheiben frei, war ich dieses Jahr schon in Shirt und Rock unterwegs. Meine Beine sind rasiert, die Fußnägel lackiert und meine Nase bereits leicht gebräunt. Die Wiese brauchte schon zweimal den Rasenmäher und ich habe die Bambusse gegossen, weil sie die Blätter einrollten.
Es war sonnig, sonnig, sonnig. Und sehr trocken. Zwischendurch überkommt mich die Befürchtung, der April ist der neue Sommer und ab Mai gibt es dann Herbst. Aber das ist ja unlogisch. Eigentlich.
Die Bäume sind alle schon ausgeschlagen, somit kann der Mai sich einen schönen Lenz machen und hat nicht mehr ganz so viel zu tun.

Es gab in diesem Monat einige kleinere Eruptionen an der Pubertistenfront, wobei keine davon in Intensität und Ausprägung an die des ersten Quartals heranragten. Es waren mehr die Klassiker wie die eingeforderte Ordnung im Zimmer, der Gang mit dem Hund, das Wegräumen von Geschirr in und nicht auf die Spülmaschine, Kleinigkeiten, die eigentlich zum täglichen Handwerk des Pubertäters gehören.
Zwei Wochen des Monats waren auch nur zwei von ihnen im Haus, eines war zur Forstarbeit aushäusig. Das Wolkenköpfchen war unterwegs, was eine ausgeprägte Strukturveränderung brachte. Beim Abendessen war es sehr ausgeprägt wahrnehmbar. Die Y-Chromosomenträger des Hauses sind keine ausgewiesenen Plaudertäschchen, wohingegen das Wolkenköpfchen ein ausgewiesenes Plappermäulchen ihr Eigen nennt.
So kam es in der Zeit ihrer Abwesenheit zu Abendessen, die sehr, sehr still verliefen und bei denen nur hin und wieder ein tiefer Seufzer zu hören war. Den gab ich von mir, wenn mein vierter Versuch, ein Gespräch in Gang zu bringen, kläglich scheiterte und ich mein Essen in Stille zu mir nahmen. Dabei dachte ich an meine eigene Kindheit, in der ich solche Sachen wie: „Kinder bei Tisch, stumm wie ein Fisch!“ oder „Fünf Minuten Maulverbot!“ erlernte. Wie furchtbar.

Was war sonst noch los, im April? Ich habe mir schon wieder eine Tasse gekauft. Ich sollte bald damit aufhören, ständig Tassen zu kaufen. Aber es ist momentan meine Phase. Ich hatte eine Kissenphase, deren Überreste lassen sich hier und da noch bemerken, was meine Schwester immer wieder zum Stirnrunzeln animiert, wenn sie sieht, wieviele Kissen in meinem Bett herumliegen ( sollte jemand aber ein solches Kissen, wie auf dem Foto zu sehen, kennen und es käuflich zu erwerben sein, sage er mir bitte bescheid, auf dass ich meiner Kissenphase einen letzten Stoß verpassen kann. Danke.
Kissen).
Dann hatte ich einmal eine Körbchenphase, da kam ich an keinem kleinen Brotkorb vorbei, ohne ihn sofort haben zu wollen. Eine Zuckerdosenphase habe ich hinter mich gebracht, eine Kannenphase und eine Holzschälchenphase. Ich hoffe, die Phasenphase irgendwann bald hinter mir lassen zu können und einfach so durch mein Leben gehen zu können. Ich arbeite daran.

Der kleine Bursche war zu Besuch und hat seine Spur bei uns hinterlassen.

Ich habe meinem Vorsatz vom Jahresanfang weiter treu sein können. Meine Haare sind nicht mit einer Schere in Berührung gekommen. Eine neue Haarspange habe ich mir besorgt, damit mir das wallende, engelsgleiche, wundervolle Spaghettihaar nicht immer im Gesicht herumflattert. Ich habe auch über eine Färbung nachgedacht, da mir der Farbwechsel mitunter leise „alt, älter, am ältesten!!“ ins Ohr pischpert, aber sofort wieder Abstand genommen, weil mir das Färben den letzten Nerv rauben würde. Also graue ich vor mich hin und ist mir dann auch egal.

Ich habe schon ordentlich Eis und Eier gegessen, wie es sich für den Ostermonat gehört.

Ich habe das Auto geputzt. Richtig ausgiebig, mehrere Stunden. Seitdem möchte ich eigentlich nicht mehr, das jemand dort einsteigt, weil das zu Krümmeln und Verunreinigungen im Fahrgastraum führt. Ich würde am Liebsten täglich durchsaugen.

Ich habe nur wenig über meine Zukunft nachgedacht, weil es mir gerade mal egal war und ich keine Zeit für solche Gedanken hatte.

Gesundheitlich war es ein Solala-Monat, was im Grunde immer gut ist, denn besser Solala als SchlimmJim.

Gelesen habe ich auch, sogar recht viel. Auch recht viel Unfug. Bücher, die mehr wie Comics sind, die man so wegzischt ohne darüber nachzudenken. Aber was soll es denn, auch das Triviale hat eine Daseinsberechtigung.

Was ich im Mai gern hätte, wäre mehr Kichern. Lachen. Ich hätte im Mai gern einen richtigen Lachanfall, so einen, nach dem man Husten muss, weil er den Schleim aus der hintersten Lungenecke heraufbefördert. Mit Tränen, nach Luft japsen und um Gnade flehen. Das würde ich mir wünschen.
Mindesten zwei Kichererbsenanfälle sollten aber auf jeden Fall drin sein.

Wobei das allein dadurch garantiert sein dürfte, dass ich die Suchbegriffe zu meinem Blog lese.
Schleiche
Gestern war „blindschleiche wollte mein kind angreifen“ der Heiterkeitserfolg.

Insgesamt fand ich den April nicht übel, der Hochzeitstag war nett (nein, nett ist nicht der kleine Bruder von Scheiße!) und gesellig und wenn der Mai so weitermacht, wie der April aufhört, dann ist das recht angenehm. Die Abwesenheit von Katastrohen ist ja das eigentliche Glück (und wenn ich nicht so träge wäre, heute, dann täte ich aufstehen und ein Foto machen von der Karte mit diesem feinen Sinnspruch).