Da denke ich, der Wald ist mir in jedem Winkel bekannt, weil ich seit über fünf Jahren ständig durch ihn hindurch stolpere und dann kann er mich doch noch überraschen.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, an denen ich schon viele tausend Male vorbeigelaufen bin, ohne sie zu bemerken.
KnollennaseHier hat sich zum Beispiel ein kleiner Knollennasentroll hinter den Brombeeren versteckt und er war mir bis dahin nicht aufgefallen. Als ich aber in der vergangenen Woche jeden Morgen zwei Stunden durch den Wald lief, in Begleitung des kleinen Burschen, da kam allerhand zum Vorschein.
So auch dieser Troll. Es ist natürlich ein verholzter Troll. Trolle, die ins Sonnenlicht geraten, die neigen zu Versteinerungen. Trolle, die völlig unbedarft eine Cola trinken, die verholzen. Und dieser kleine Troll scheint eine eins Komma fünf Liter Flasche Cola reingeschüttet zu haben, so verholzt wie er ist. Wahrscheinlich hat er nicht zugehört, als seine Mutter ihm sagte, dass Cola für kleine Trolle sehr, sehr schädlich ist.

Auf einem anderen Weg lag an einer Stelle, urplötzlich und wie gewachsen, ein Stein.
Kastenstein

Ganz hell, fast weiß, leuchtete er vor sich hin. Ich hockte mich davor und überlegte sicher fünf Minuten, ob er nun schon länger dort lag oder eben erst abgelegt wurde.
Kastenstein näher dranIch hatte ihn erst für einen Styroporblock gehalten, das war er aber nicht. Ein richtig massiver Kastenstein ist er. Und ich bin mir sicher, vor ein paar Tagen war er noch nicht da. Meine weiteren Gedanken befassten sich damit, wer denn einen solch schweren Stein durch den Wald schleppt und ausgerechnet dort ablegt. Und warum. Und für wie lange.
Ob das nun bei mir zu paranoiden Anfällen führen sollte, sei dahin gestellt. Will mich jemand durch Veränderungen im Wald, die relativ unerklärlich sind, verrückt machen? So wie damals, im Film mit Ingrid Bergmann, die von ihrem Mann in den Wahnsinn getrieben werden sollte, weil er ihr Geld brauchte? Gaslicht hieß er, glaube ich.
Aber ich habe gar kein Geld…. .

Beim letzten Spaziergang mit dem Burschen sah ich an einer Weggabelung ein kleines Häuschen.
HäuschenWeil ich, wie bereits bekannt, neugieriger Natur bin, gingen wir näher ran.
Näher ran.Da schau her, ein Vogelhaus? Im Wald? Ein Vogelrestaurant? Ein Landgasthof für Piepser?
FundbüroDas Fundbüro im Wald.
Was für eine sehr gute Idee.
Wie oft habe ich schon Schnuller, Mützen, Handschuhe und anderen Schnickschnack gefunden und wusste nicht, wohin damit.
Ab sofort kommt so etwas in das Waldfundbüro.
Natürlich habe ich auch, obwohl ich nichts verloren habe, einmal einen Blick riskiert.
Türchen auf.Und habe mich erst einmal ein bisschen erschreckt, weil ich dachte, ich hätte doch jemanden zuhause gestört. Einen Waldbewohner.
Etwas mit einem Fell.
Beherzt öffnete ich die Tür noch ein Stück.
Hasi. Und Licht.Das ist kein Plüschoktopus und auch keine Flauschtarantel, ein Hase ist es, der dort hockt und darauf wartet, wieder heimgeholt zu werden.
Und ein Fahrradlicht.
Nun muss ich dort häufiger vorbei, um zu sehen, was alles gefunden und was davon auch gesucht wurde.

Später dann setzte mich der Wald noch mit einem Ungeheuer in erstaunen, an dem ich auch schon häufig vorbeigegangen bin, das mir aber nie auffiel, bis es mich am Freitag leise von der Seite anknurrte. Ich habe mich ziemlich erschreckt, konnte es jedoch mit einem Pfefferminzbonbon besänftigen und werde ab sofort immer Pfefferminzbonbons in der Hosentasche dabeihaben, falls mir noch andere Monster dieser Art in die Quere kommen und mit sofortiger Verspeisung drohen.

MonsterGruseltier