Im Apfelgeschäft arbeiten Kinder. Richtig kleine Jungs und hier und da ein Mädchen.
Dabei ist Kinderarbeit doch verboten.

Und das kam so.
Das internetfähige Smartphone hat sich verschluckt und jetzt Verdauungsprobleme. Alles Rückengeklopfe hat nicht geholfen, es wollte einfach nicht rülpsen. Und weil ich mich doch in recht kurzer Zeit sehr an das Gerät gewöhnt habe, wollte ich schnelle Heilung und fuhr in das entsprechende Etablissement.
Aber da liefen nur Kinder herum. Gut, die Kinder haben das Problem schnell erkannt und mir gesagt, es ist nicht nur ein quersitzende Rülpser, es ist schon ein Problem an der Hardware. Und leider wäre es ihnen auch komplett wurscht, weil das Gerät ein kleines bisschen zu alt für eine konstruktive Auseinandersetzung wäre.
Wie auch immer, ich kam mir alt vor. Sehr alt. Denn es waren nicht nur Verkäuferkinder sondern auch Kaufkinder im Laden und ich sorgte für einen gewaltigen Ausreißer des Altersdurchschnitts.
Jedes meiner grauen Haare rollte sich spontan zusammen und alle meine Falten hingen noch einen Tacken trauriger unter den Augen.
Ich habe ja schon in den diversen Krankenhäuser der vergangenen zwei Jahre bemerkt, dass mittlerweile selbst Jugendliche schon Arzt werden dürfen. Aber das die auch mit sehr teueren Elektroartikeln arbeiten dürfen, das ist doch unglaublich.

Und nun muss ich mit mutigem Blick nach vorn erkennen, da ist jetzt nur noch weniger zur Verfügung als hinter mir liegt. Es sei denn, ich werde noch älter als die durchschnittliche Lebenserwartung mir prognostiziert. Ein paar Jahre mehr.
Aber im Grunde ist die Halbzeit schon durch, ich befinde mich in der zweiten Spielzeit. Und stehe also im stylischen Elektroladen, schaue mir Max und Christophe und Mats bei der Arbeit an und muss mich mit allen Mitteln gegen eine veritable Alterskrise und depressive Verstimmung wehren, in dem ich mantraartig vor mich hin murmele: Ich bin nur so alt, wie ich mich fühle, ich bin nur so alt, wie ich mich fühle!
Und dann fällt mir ein, dass mir heute früh ganz schlimm die Füße schmerzten, beim Aufstehen, meine Knie krachten, mein L5/S1 leise weinte und auch sonst einiges im Argen lag, weshalb meine Aufstehperformance wenig elegant und dynamisch war, sondern eher gemächlich ächzend.

Aber dank der erlernten Technik des bewussten Nichtdrandenkens, des selbsthypnotischen Wegtrancens, bin ich seitdem auf einer Blumenwiese im Sonnenschein, wo es sowieso keine Handys gibt.
Und meine Laune stets die beste Laune der Welt ist.
Nichts kann mich herunter ziehen, ich bin ganz oben auf den Grashalmen. Ich bin nur ich und Zeit hat keine Bedeutung.
Ich bin ein Windhauch, ein warmes Lüftchen, ich bin leicht und frei.

Ich brauche noch ein bisschen.
Und das Gerät wohl auch. Ich schicke das dann mal weg, auf seine eigene Elektrikwiese.