Böse, böse, böse.
Böse Rapper. Böse Kerle sind das. Das Leben spielt denen übelst mit. Meine Güte. Die werden ja schon ganz früh von den schlimmsten Eltern der Welt gequält.
Sie müssen zum Beispiel schon mit vier Jahren ins Klo kacken, statt in die Windel. Das ist aber auch ein Horror.
Und im Kindergarten dürfen sie nicht dem Jason-Paskall aufs Maul hauen. Das schränkt in der freien Entfaltung ein.
Und dann in der Grundschule all diese Mädchen. Sind doch alles Bitches. Echt. Die immer mit ihren Stiften und Heften und Büchern. Pfui.
Später dann diese grausamen Straßenkämpfe. Untereinander gibt man sich tausend Pferdeküsse und wundert sich über die blaugeküssten Arschbacken.
Anschließend gehen die Kerlchen hin und dichten tiefgreifende Texte über ihr hartes Leben hinter der Montessori-Waldorf-Freie-Schule.
Und dann kommen die anderen Kerlchen und hören sich diese harten Texte an. Diese Texte von Gewalt und krassem Hass.
Texte, die sich reimen, dass einem Tränen aus den Ohren kommen. Aus den Ohren. Wirklich. Und die Kerlchen, die sich das Tag für Tag anhören, die fühlen sich dann auch irgendwann so rappig. Richtig dolle rappig.

Denen hat nämlich das Leben auch ganz schlimm mitgespielt. Denen wurde nämlich verboten, in die Zimmerecke zu pieseln, als sie drei waren. Und sie wurden zum Benutzen von Besteck gezwungen. Was für eine grausame Tat.
Und duschen mussten sie. Duschen. Glaubt man das? Zweimal die Woche, minimum.
Was für eine Hölle.

Diese gequälten Seelen erkennen die Ironie in den Texten, bewundern die Burschen mit den schnellen Zungen, die in doppelter Geschwindigkeit den vierfachen Unfug erzählen können.
Und gemeinsam können sich diese in der Pubertät verhafteten (ironische Doppeldeutigkeit, bitte beachten!) Jungs versichern, dass immer alle anderen Schuld sind und nur sie selbst im Recht sind.

Habe ich etwas vergessen?
Ach ja. Idioten.

(Warum ich so schlimm über diese Burschen herziehe und vollkommen außer Acht lasse, dass die Entwicklung von Hiphop und Rap eine spannende Geschichte ist? Nun. Weil mir gestern Abend zum hunderttausendmillionsten Mal Kollegah, Eminem und wie sie alle heißen, durch das Haus geplärrt haben und mit ihren Bässen meine zarten und im Augenblick mit allerlei Geräuschen experimentierenden Ohren misshandelt haben. Ich könnte natürlich auch ärgerlich sein über den Fürsten, der im Obergeschoss die Kapazitäten seiner Musikanlage austestet, aber der schreibt nächste Woche Abschlussklausuren. Da will ich mal nicht so sein. Darum mache ich lieber das Zornickel gegen die kleinen Rapper-Häschen.)