Um neun Uhr in der Früh habe ich eine Laune. Eine heftige Laune. Eine sehr miese Laune.
Ich bin übellaunig, würde ich sogar behaupten.

Nachdem ich den Fürsten zu seiner ersten FOR-Prüfung gefahren habe, für die ich ihm selbstredend die Daumen drücke, hatte ich auf der Fahrt zurück nach Hause einen inneren Tobsuchtsanfall gepaart mit einer Heulsusiattacke. Eigentlich ist es in der Straßenverkehrsordnung festgelegt, dass das Führen eines Fahrzeugs in einem solchen Zustand nicht erlaubt ist und ich hätte rechts ranfahren müssen und mich dann erst einmal in Ruhe austoben sollen. Aber ich habe dafür keine Zeit. Ich musste zügig nach Hause. Sehr. Denn ich habe gleich noch einen Termin. Und wenn ich sage, bei wem, dann dürfte alles klar sein.

Ich habe gleich ein Date mit dem Zahnarzt.
Und daraus folgt, meine Laune ist grottig. Unterirdisch. Miserabel.
Zahnarzt, sadistischer Drecksack. Ich hasse es, zum Zahnarzt zu gehen. Erstens tut es immer weh. Schon wenn ich ins Wartezimmer gehe und mir auf dem Weg dorthin, weil es sich um eine ganzheitliche Weicheipraxis handelt, die Empfehlung bekomme, mich dort noch ein wenig auszuruhen, könnte ich gewalttätig werden.
Zweitens höre ich dem Zimmerbrunnen beim Plätschern zu. Dabei könnte ich zum Vandalen werden.
Und drittens überkommen mich auf dem Behandlungsstuhl dann Mordgelüste, weil es immer so abartig teuer ist, wenn man was mit den Zähnen hat.

Ich verstehe das auch nicht. Das war doch früher nicht so.
Egal. Mir ist ein Stück vom Keramik-Inlay abgebrochen und muss erneuert werden. Das ist so ein elender Mistmüllkack. Allein die Vormittage, die ich dort auf diesem Stuhl hocken muss. Erst Besprechung, dann Inlay rausholen, Abdruck machen, Provisorium, wieder hin, Provisorium raus, neues Inlay rein, passt nicht richtig, schleifen, machen und tun, Tgae brauchen, bis man sich ans Kauen wieder rantraut.

Am Übelsten war die Sitzung mit der Wurzelbehandlung oben links. Ich saß schon sehr durchgeschwitzt auf dem Stuhl, war kurz vor dem Kollaps, weil ich nämlich immer einen guten, großen Panikanfall im Gepäck habe, wenn ich zum Zahnarzt muss und der Meister wollte mir ein Medikament in den Wurzelkanal applizieren. Gesagt, getan, bis ich plötzlich losquietschte wie ein Ferkel. „AUAUAUAUAUAUAAA!“
Er zog die Kanüle aus meinem Mund, schaute mich entschuldigend an und meinte: „Kann schon mal vorkommen, tut mir leid.“
Ich schaute ihn verzweifelt an. „Wird gleich wieder besser.“, sagte er, recht tiefenentspannt.
Mir brannte meine Nebenhöhle. Sie war zur Nebenhölle mutiert. Feuer loderte hinter meinem Auge. Als hätte ich eine Ladung Chilli gesnieft.
„Was ist da los?“, quakte ich und war sicher, bald sterben zu müssen.
Tjanü. Durch einen dummen Zufall ist das Medikament leider sehr tief eingedrungen. Sprich, er hat diese Kanüle bedauerlicherweise bis in meine Nebenhöhle bugsiert.
Danke schön. Das werde ich ihm bis an mein Lebensende vorwerfen.
An dem Tag brach auch noch der Sauger ab, weshalb ich einen Knutschfleck in den Mundwinkel gesaugt bekam und mein Pullover war komplett versifft mit irgendwelchen Partikeln.
War ein voller Erfolg. Das Provisorium in diesem Zahn besitze ich immer noch, und das ist nun sechs Jahre her. Wie lange doch so ein Ding halten kann, fasziniert mich.

Und gleich muss ich hin. Zum Zahnarzt.
Und ich möchte nur noch Scheißescheißescheiße sagen.
Weil, es hilft ja alles nichts. Wenn mir der Zahn da wegfault, ist mir auch nicht geholfen. Aber ich mag nicht. Ich will nicht. Ich hasse es.
Darum bin ich schlecht drauf. Und obwohl ich schon über vierzig Jahre alt bin und erwachsen und drei Kinder habe, ein Auto, einen Fernseher und im Augenblick kein internetfähiges Handy, beziehungsweise überhaupt gar kein Handy, musste ich im Auto ein paar Tränen verdrücken. Vor Wut und Angst. Und überhaupt, für das ganze Leben.

Ich schrubb dann jetzt mal Zähne. Danach eine rohe Zwiebel, drei Knoblauchzehen und einen Hering. Mal sehen, wie der Herr Doktor Dentist das so findet.

(Lieber täte ich fünf Prüfungen schreiben…)

Nachtrag:
„Hach, Frau Lavendel, da machen wir hier noch die Füllung neu und da noch schnell ein Röntgenbild und dieses Inlay muss noch raus und diese Verfärbung können wir auch ganz kostengünstig entfernen und dieser…..“
NEIN!
Lecko mio.