Eigentlich wollte ich heute ein bisschen ablästern über die Kinder und ihr Eigenarten. Denn heute früh ließ sich wieder einmal wunderbar beobachten, wie unterschiedlich sie alle durch das Leben gehen.
Einer springt beim Wecken wie angestochen aus dem Bett, einer jammert herum, als hätte man von ihm verlangt, sich nackig in die Fußgängerzone zu stellen und einer schläft einfach weiter, nicht ohne zu behaupten, glockenhellwach zu sein, sogar mit geöffneten Augen. Aber fünfzehn Minuten später stellt sich dann heraus, dass es nicht so ist, sondern der Tiefschlafmodus nicht verlassen wurde.

Es folgte das Gehickhacke um das Badezimmer, einer duscht, einer macht sich länger die Haare, einer macht eher nichts. Insgesamt ist aber immer derjenige im Bad, der dort nicht sein soll, und derjenige, der dringend zwingend im Bad sein müsste, steht randalierend vor der Tür.
Das ist der Grund dafür, warum ich morgens nur die Zähne putze und Haare kämme und kurz durch das Gesicht feudel, alle weiteren reparativen Eingriffe jedoch erst vornehme, wenn ich alleinigen Badezimmerzugriff habe.
Für die drei minderjährigen Mitbewohner ist das auch besser wenn sie nicht da sind, weil ich mich immer so schnell echauffiere. Die batschnassen Handtücher am Boden, der aufgeklappte Lokus, die Zanhpastarotze, all diese Unschönheiten, gern kombiniert mit dem ein oder anderen Unterhöschen, versauen mir noch deutlich mehr die Laune, wenn die Verursacher anwesend sind.
So nehme ich das Gerümpel und werfe es in die entsprechenden Zimmer. Ja, auch nasse Handtücher. Und ja, am liebsten auf das Bett. Und wieder ja, ich kann mich stets davon abhalten, so einen nassen Lappen auf Computern abzulegen. Nun, getragen Unterhöschen, die finden ihren Weg auf neue Laptops, keine Frage.

Aber heute lästere ich nicht ab. Heute staune ich. Wieder einmal. Über dieses Jungs-Mädchen-Ding. Cherchez la femme. Das hatten wir beim Fürsten ja schon in aller Ausführlichkeit, er suchte ja in der weiten Ferne und vergaß darüber alles. Schule, Familie, Freund und Feind und Hirn.
Und jetzt hat es Killerdog erwischt.
Seit gestern Abend weiß ich, wie ein Honigkuchenpferd grinst.
Von hier O———————— bis ————————-O da. Mindestens.
Da gehen die Mundwinkel bis ins Innenohr. Und die Gesichtsfarbe changiert immer zwischen zartem Rosé vor Glück und feurigem Rot vor Wallung. Hübsch sieht das aus. Da kommen Erinnerungen wieder, ich denke an die Zeit, als ich den Gutfrisierten kennenlernte. Raderdoll (so sagt man das hier, im Rheinland) kann man werden, wenn einen die Liebe ereilt. Raderdoll und recht einfältig. Aber wer behauptet denn, Honigkuchenpferde würden sich durch besondere Intelligenz auszeichnen? Genau. Niemand. Als Honigkuchenpferd hat man ein Anrecht auf Blödheit.

Was ich jetzt in nächster Zeit einmal machen muss, das ist ein Baumarktbesuch. Ich brauche Zeug, um den Badezimmerschimmel zu vernichten und einen großen Eisenring. Außerdem eine Kette. Und etwas Zement.
Den Ring zementiere ich im Keller in der Wand ein und dann möchte ich beim ersten Anzeichen von Verliebtheiten möglicherweise das Wolkenköpfchen anketten.
Ich weiß, das darf man nicht. Aber ich kann nicht noch mein letztes Kind an diese hormonelle Honigkuchenpferdgeschichte verlieren. Das überstehe ich nicht.