Da hat`s gewonnen, das Conchita.
Sachen gibt`s!
Mein ESC-Abend war absolut entzückend. Mit zwei kleinen Damen, die mich auch gestern in den Fastfoodschuppen begleiteten, hockte ich mich vor das Fernsehgerät und bewaffnet mit Chips, Colafläschchen, Eistee und Schokolade ließen wir uns nach Kopenhagen mitnehmen.
Wir verteilten die Darsteller Künstler unter uns, prämierten die beste Frisur (ein siebziger Afro machte das Rennen) und fanden die Niederlande richtig gut, so gut, dass wir uns fragten, was die dort verloren hatten.
Und dann gewann Conchita,
Das ist in Ordnung, auch wenn ich mal gar nicht auf James Bond Hymnen stehe. Aber das Kleid und die Divaattitüde waren absolut überzeugend.

Nur leider kann ich keinen Spagat.
Das hatte ich ja bereits öfter erwähnt.
Wenn ich also mit einem Bein in dieser Glitzerwelt des ESC hänge und gemütlich zuhause mit den Mädels auf dem Bett herumlümmle, steht das andere Bein mitunter in der Tatsache, dass in Nigeria ein durchgeknallter Irrer sich zweihundert Mädchen einfach unter den Nagel reißen konnte und nach gutdünken mit ihnen tut und lässt, was ihm gerade einfällt.
Was passiert mit diesen Mädchen? Nichts gutes. Das ist sicher. Und dann strecke ich mich zwischen Conchita, Nigeria, den Mädchen auf meinem Bett und bemerke, wie schon viele hunderte Male vorher, dass ich mitunter mit der Abspalterei nicht gut zurecht komme. Das eine wissen, das andere leben und Hilflosigkeit so vielen Dingen gegenüber.

Es lässt sich leicht verzweifeln, wenn man gemütlich im warmen Zimmer vor dem Fernseher hockt.
Und Fragen rumoren in den Eingeweiden.
Schafft man den Spagat irgendwann doch und spaltet sich selbst vom Unglück anderer ab? Oder bekommt man irgendwann den Hintern hoch und eine Idee davon, was man tun kann, um etwas zu bewegen?
Reicht es, im kleinen eigenen Reich ein menschen- und umweltfreundliches Leben zu führen? Ist das Bewegung genug?
Oder ist es nur Selbstbetrug?

Nein, es zieht und reißt, wenn ich in den Spagat gehe, es zerrt und schmerzt.