„Nein. Nein, nein, nein. Das kannst du nicht machen. Geht nicht. Verboten!“, ruft er, der Gutfrisierte und schaut mich an, als wäre ich komplett irre. Als hätte ich keine einzige Latte mehr am Zaun und gerade einen Tassenausverkauf hinter mir.
„Das geht nicht. Nein. Auf keinen Fall. Du machst einen Witz, oder? Komm` schon, du machst ein Späßchen mit mir. Oder?“

Nein. Das sollte kein Spaß sein. Es war mir bitterer Ernst. Aber da man als Vertreter männlichen Geschlechts mitunter Schwierigkeiten bei der Mimik-Interpretation hat sowie Defizite im Berreich der Spaßerkennung, musste ich meiner Ernsthaftigkeit Ausdruck verleihen.
„Natürlich meine ich das Ernst. Ich brauche so etwas schon lange. Wie oft habe ich gedacht, das würde mir wirklich noch fehlen in der Küche. Ich meine, das ist doch keine große Sache, ein Nagel rein in die Wand und schwuppsdiwupps, hängt das Ding.“
„Ja, aber doch nicht so ein Ding! Nicht so eins! Ich kann das nicht ertragen! Dann werde ich jeden Tag in die Küche kotzen.“
„Jetzt mach` mal nicht so ein Drama daraus. Meine Güte. Du tust so, als würde ich dich zwingen, im Tütü zur Arbeit zu gehen! Ist doch nur eine Tafel, Himmelnocheins. Nur eine Tafel!“
„Ja, aber die ist rosa!“
„Na und? Das konviniert ungemein mit dem zarten Grün der Wand und dem sonnigen Gelb der Kacheln! Rosa ist die Farbe schlechthin. Das passt prima zu meiner Blümchentasse und meinem rosa Schal!“
„Aber, aber…aber…. aber …… NÖÖÖÖÖÖÖÖ!“

„Was bist du denn für eine Sissi?! Ein echter Kerl wird sich doch nicht über eine rosa Tafel aufregen!“
„Ja neeee, über eine rosa Tafel nicht. Aber da sind fette Prinzessinnen oben drauf.“
„Dann mache ich die eben ab! Das ist doch keine Sache. Ich könnte hübschen rosa Karostoff stattdessen dort einspannen. Kein Thema. Obwohl die Prinzessinnen so niedlich sind.“

Auch das Wolkenköpfchen integriert sich in das Gespräch. „Wir könnten aus den Prinzessinnen kleine Musikerinnen für dich machen, Papa. Mit Gitarre und so. Wäre das besser?“
„Nein. Nein. Nichts daran wird besser. Das Ding ist grauenhaft. Schlimm. Schlimmer. Am Grauenhaftesten.“

„Jetzt beruhige dich bitte. Das ist nicht gut für die Pumpe, wenn du so hochtourig wegen einer Tafel mit drei Prinzessinnen fährst. Atme einfach mal wieder.“
„Okay, aber keine Prinzessinnen, okay? Keine. Bitte. Keine.“
„Tssssss.“

Also habe ich die Prinzessinnen abgepiddelt. Und jetzt? Ist die Tafel nicht mehr das, was sie einmal war. Sie ist langweilig. Trübsinnig. Trist rosa.
Jetzt will ich sie auch gar nicht mehr aufhängen. Jetzt ist sie nichts mehr wert. Ein rausgeworfener Euro. Das Flohmarktkind freut sich bestimmt, mit dem Strahlegesicht, das es hatte, als es den Euro in seine kleine Kasse legte. Und ich sitze auf einer rosa Tafel, die ich nicht mehr will. Und auf drei Prinzessinnen.

Aber die drei, die habe ich versteckt platziert. Fällt auf den ersten Blick nicht auf. Ich warte auf den hysterischen Schrei aus der Küche, wenn sie entdeckt werden. Und halte den Notfallkoffer bereit, falls ich jemanden wiederbeleben muss. Herzdruckmassage nicht mehr wie früher, fünf Mal pumpen, einmal pusten, nein. Heute pumpt man im Rhythmus von „Staying alive“ auf dem Brustkorb herum und das mit dem Reingepuste ist eher sekundär und wird nach dreißig mal gedrückt zweimal durchgeführt.

Wobei ich nicht verstehe, warum man sich über diese hübschen Prinzessjen so echauffieren kann.
Prinzessin auf der Stange

(Was ich in der letzten Zeit so getrieben habe? Meine Schreibunlust gepflegt. Jetzt geht es ihr gut und sie kann wieder allein draußen spielen. Darum bin ich sie nun endlich los. Jedenfalls erst einmal.)