Der Hund braucht das offensichtlich. Es ist ja nicht anders als bei den anderen Haushaltsmitgliedern, jeder braucht das und da will ich nicht kleinlich sein und gebe mit vollen Händen.
Ein bisschen Erziehung. Und hin und wieder ein bisschen mehr. Jedenfalls war der Hund der Auffassung, in letzter Zeit sei viel zu wenig Erziehung für ihn abgefallen. Darum raste er häufiger wie angestochen in den Wald und ließ sich auch durch hysterisches Pfeifen und Rufen nicht davon abbringen, den Versuch zu unternehmen, ein Wildtier zu erbeuten. Seine Versuche, dem Eichhörnchen auf den Baum zu folgen, waren zwar unterhaltsam, aber dass er mich und meine Kommandos vollkommen ignorierte, war nicht erheiternd.
Darum gibt es nun wieder intensives Training bei jedem Spaziergang.
Punkt eins: Etwas Leckeres in der Tasche haben.
Damit ist die Hälfte erledigt.
Punkt zwei: Im Voraus ahnen, was der Hund in den nächsten zwei Hundertsteln einer Sekunde so vor hat.
Damit ist ein Viertel im Sack.
Punkt drei: Bevor der Hund anfängt, seinen Plan in die Tat umzusetzen, wird interveniert.
Damit ist der Käse gegessen. Der Hund ist im Griff.

Theoretisch. Praktisch muss man allein mit dem Hund gehen, da Unterhaltungen mit anderen Menschen dann nicht möglich sind.
Und man sollte möglichst keinen anderen Spaziergängern, und schon gar nicht mit Hund, begegnen. Denn wenn sich andere in die Erziehung einmischen, weiß man ja, was dann herauskommt. Nichts Gutes.

Das Problem liegt auch darin, dass man nach sechs Jahren denkt, nun müsste der Hund eigentlich alles verstanden haben und man lässt die Zügel schleifen. Das ist ein klassisches Eigentor, der Hund hat nach sechs Jahren so einiges verstanden, unter anderem, dass schleifende Zügel die Freiheit bedeuten, die es sofort und gnadenlos auszunutzen gilt. Ach, denkt er sich, die Alte guckt gerade nicht? Ab auf die Jagd, tätärätäääää!
Da sind Hunde keinen Deut anders als die Kinder. Die machen das im Grunde ganz genau so.
Die Alte guckt gerade nicht? In ganz jungen Jahren werden Süßigkeiten gemopst und schnell verschnabbuliert. Später kommt das Bierchen. Der Computer. Das Handy. Bei Whatsapp sieht man, dass die holde Kinderschar das letzte Mal um zwei Uhr fünfunddreißig online war. Nachts, wohlgemerkt.

Und auch da gilt, dranbleiben.

Trotzdem hat man Momente, in denen fragt man sich, was soll das?
Wieso machen die das?
Wann verstehen sie es.
Wann ist es endlich mal genug?
Diese Fragen nimmt man sich einzeln, verpackt sie hübsch in Klopapier und spült sie in die Kanalisation. Bringt nämlich nichts. Kann man sich sparen. Es gibt auf diese Fragen keine Antworten.
Nur auf die Frage, muss ich das denn noch mitmachen, auf diese Frage gibt es eine eindeutige Antwort. Nö. Muss ich nicht. Kann ich auch lassen. Und es ist, wie es immer ist, mit den Konsequenzen des eigenen Handelns muss immer auch gelebt werden.

Mensch, was bin ich wieder schlau, heute Morgen.

Trotzdem bleibt mir bei den Spaziergängen auch bei intensiver Hundebeobachtung und Habachtstellung immer noch ein klein wenig Spielraum für anderes. Eben stibitzte sich dies hier meine Aufmerksamkeit:

Waldbrandgefahr

 

Das ist der Grund dafür, dass ich Regen mag. In regelmäßigen Abständen.
Als Waldrandbewohner, im Angesicht der Bäume, sind sehr niederschlagsarme Wochen im Sommer und im Winter, eigentlich ganzjährig, immer auch ein Quell des Unbehagens. Weiß man doch, dass es Menschlein gibt, bei denen die Erziehung versagte und das Hirn nur in Phasen funktioniert. Dazu gesellt sich eine gewisse Unbedarftheit sowie ein gehöriges Suchtpotenzial und schon hat man einen hübschen Waldbrand am Waldrand.
Nun würde es mich nicht sonderlich kratzen, wenn es nicht so übermäßig gefährlich wäre.

Ich bin für ein absolutes Rauchverbot im Wald.
Auch das ist eine Frage der Erziehung.

Zum Glück wird der Hund nicht damit anfangen, sich hin und wieder ein Kippchen reinzuziehen, weil er kein Streichholz anzünden kann. Und Fürst Griku hat beschlossen, es zu wieder zu lassen, weil er es sich nicht leisten kann.
Und es ist, wie es immer ist, kaum kommt kein Qualm mehr in die Lunge, geht das heftige Husten los. Muss ja einiges raus aus den Bronchien, was sich in den letzten Monaten dort festkleben ließ. Da empfiehlt sich ein Hundespaziergang in der frischen Waldluft. Und immer schön auf den Hund achten. Am Schönsten ist es doch, wenn sie sich alle gegenseitig selbst erziehen.