Nein, das Wohlbefinden ist nicht übermäßig erfreulich. Muss es aber auch nicht. Man kann ja nicht immer wie ein junger Morgen daherkommen. Es sei einem zugestanden, auch hin und wieder als Schluck Wasser in der Kurve zu fungieren.
Furchtbar ist dann der frühe Blick in den Spiegel. Das Haar hängt kraftlos auf die Schultern, über die Farbe brauchen wir ja nicht mehr zu sprechen. Es scheint, die Schwerkraft baut ein extra starkes Feld auf, welches explizit auf Haare und auch Brüste wirkt. Und Mundwinkel.
Bedauerlicherweise bin ich gänzlich unerfahren und auch unbegabt, was die Verwendung von reperativer (in echt reparativ, aber ach, ich reperiere den ganzen Tag, warum nicht auch hier?) Kosmetik anbelangt. Ein bisschen Makeup zur Abspachtelung, die Wimpern getuscht für größere Augen Optik, ein Hauch Rouge für ein gesundes Bäckchen, volle Lippen und ein zartes Bleu auf den Liddeckeln, dann ist die Welt gleich viel freundlicher. Oder vielmehr das Gesicht.
Dazu ein straffes Unterkleid, welches die Rollen in die Positionen drückt, in denen sie als sinnliche Kurven durchgehen. Volumenhaarspray, ein Näschen Koks und dann mit Vollgas in den Tag starten.
Aber wie bereits angemerkt, bin ich nicht geeignet, für so etwas.
Darum stehe ich wie ein Topf Sauermilch im Bad, putze meine Zähne mit Hingabe, damit sich da bloß nichts schlimmes bilden möge und betrachte Falten, Speck und die grummelige Frau, die mich anschaut.
Und wünsche mir von ganzem Herzen etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Zankende Kinder. Eskalierende Kinder. Scheiße Kinder.

Was ist hier nur los? Es ist so still, ich habe Zeit, mich mit meinem Griesgram zu befassen. Keiner plärrt am Morgen herum, keiner knallt Türen, keiner kippt den Tee durch die Küche.
Nun, einer ist nicht da, geht einem Praktikum im Handwerk nach. Killerdog hat sich für vierzehn Tage bei GasWasserScheiße verdingt und hatte gleich am ersten Tag eine recht unangenehme Toilettenbegegnung.
Wolkenköpfchen schwebt nur noch durch die Welt. Oder vielmehr, sie tanzt. Normales Gehen war für sie schon immer schwer, aber mittlerweile ist es nur noch tänzelndes Schweben, weil sie an die schillernde Zukunft denkt.
Der Fürst Griku liegt in der Sülze und pflegt seine Erkältung. Gut, da könnte ich mich über eine gewisse Weinerlichkeit und Weichlichkeit auslassen. Aber wozu? Er ist über achtzehn. Sein Bier. Und die Prüfung ist erledigt.
Der Hund schläft.
Der Gutfrisierte ist gedankenverloren, weil er am Wochenende seine Lieblingsveranstaltung aufsucht.

Keiner will mich nerven. Das geht doch nicht. Das ist einfach unmöglich. Dann muss ich mich eben selber nerven. So ein Mist.