Möglicherweise hat es sich herumgesprochen, hier in Nordrhein Westfalen gab es gestern ein Unwetter der Extraklasse. Und nun darf man sich fragen, wer wohl bei einem solchen Wetterchen draußen herumspringt.

Ist doch klar. Ich.
Zum Glück sprang ich nicht einfach so im Freien herum, ich fuhr mit dem Auto, denn ich hatte Killerdog zur Arbeit gebracht. Ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb Heizung/Sanitär für zwei und eine halbe Woche hat er zu absolvieren und schon am ersten Tag lernte er, dass GasWasserScheiße wörtlich zu nehmen ist.
Weil die Arbeit weiter weg ist, wohnt er alleweile bei den Großeltern und wuselt mir hier nicht zwischen den Füßen herum, was sich vor allem in den frühen Morgenstunden als Beruhigungsfaktor bemerkbar macht, gibt es doch deutlich weniger Konfliktpotential, wenn keiner sich um die Gunst des Vornesitzens kloppen muss.

Ich war also justamente unterwegs, als in Köln alle Veranstaltungen beendet wurden. Das hielt ich für übertrieben. Solange, bis ich auf offenes Feld kam und in der Ferne die Gewitterzelle anrollen sah. Da konnte man schon über das Ende der Welt nachdenken. Schwarze Wolke, zuckende Lichter, beginnender Sturm und ich in meinem Auto. Killerdog war abgeliefert und Wolkenköpfchen saß bei mir im Auto, als der Wind anfing, zu drücken und zu ziehen, zu schieben und zu schubsen. Als ich das freie Feld verließ und wieder in waldigere Gefilde fuhr, wurde uns wirklich mulmig. Da flogen Äste und Blätter und Staub in hohem Bogen auf der Straße herum. Aus dem Augenwinkel sah ich, was ich wirklich nicht sehen wollte. Zwei Leute liefen durch das Getöse. Weit und breit kein Unterschlupf, kein Haus, kein nichts. Nur Bäume. und Wind.
Nach zweimaligem Atmen drehte ich das Auto, fuhr zurück, drehte die Scheibe herunter und rief, ob ihnen klar sei, dass sie in einem sich in den nächsten Minuten weiter verschlimmernden Unwetter herumlaufen würden und ob ich sie nicht besser mitnehmen sollte.
Der Mann wollte gleich ins Auto springen. Die Frau aber wusste noch nicht, vor wem sie mehr Angst haben sollte. Vor diesem tosenden Stürmchen oder der komischen Frau, die einfach anhielt und eine Mitfahrgelegenheit anbot. Der Mann stieg noch einmal aus und lief zu ihr, ich hörte nur „Kind im Auto…. komm schon….gefährlich…“ und dann stiegen sie ein. Was folgte war ein Slalomparcour und ich habe mich noch nie so beim Autofahren gefürchtet. Ich fuhr die beiden bis nach Hause. Das Auto hatte eine Panne gehabt und sie wollten die letzten fünf Kilometer laufen. Kann man machen. Bei schönem Wetter. durch den Wald. Ist schön. Aber gestern war es unschön.
Bevor wir bei ihnen ankamen, flogen also einige dicke Äste, ein Handtuch und eine Reklametafel für Erdbeeren an uns vorbei.
Ich fühlte mich wie Dorothy auf dem Weg nach Oz. Es fehlte nur noch die böse Hexe mit ihren Ringelsocken.

Nachdem wir unsere Mitfahrer ausgeladen hatten und uns auf den Weg zum eigenen Haus machten, rechnete ich im Kopf kurz nach. Karmapluspunkte gegen Eigengefährdung und Kindgefährdung. Das ließ ich schnell bleiben, denn ich konzentrierte mich lieber auf die Straße und die herumfliegenden Sachen, denen ich ausweichen musste.

Zuhause angekommen war alles nur noch halb so wild. Am Küchenfenster stehen und in die finstere Welt hinausschauen ist eine gemütliche Sache, weil es sicherer ist als im Wald oder im Auto.

Und sollte ich es noch lernen, werde ich die zwei kleinen Filmchen hier einstellen. Aber im Moment weiß ich nicht, wie das geht und muss auch den Gutfrisierten von der Arbeit abholen, weil er nämlich nicht wegkommt aus der Stadt. Da fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr.