Von ganz allein und ohne großes Zutun macht der Garten allerhand Dinge, die mich erfreuen.

 

Rote Freunde

 

Zwischen all dem sprießenden Springkraut, Efeu und Konsorten wachsen wieder einmal die kleinen roten Früchtchen. Sie werden nicht gehegt, nicht gepflegt, und trotzdem strahlen sie aus dem Unkraut heraus. Wie sie dort hingekommen sind? Keiner weiß es. Vermutlich kamen sie aus dem Wald, möglicherweise hat einer der Zwerge, von denen ich früher den Kindern erzählte, sie dort hingesetzt. Dass die sich noch hier hin trauen, wo doch keiner mehr an sie glaubt.

lecker

Sie sind winzig klein und man sollte schon mindestens drei in den Mund stecken, wenn man den Geschmack richtig wahrnehmen möchte. Vorher empfiehlt sich ausgiebiges Waschen. Viele Katzen und ein Hund. Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Aber es gibt auch andere, die mich von allein erfreuen. Vor zwei Jahren bin ich spät abends durch das Kaff geschlichen und habe hier und da einen Hortensienzweig ergaunert. Ja, ich gestehe, ohne zu fragen. Aber es ist keinem aufgefallen. Ich habe nur klitzekleine Zweige ohne Blüte gemopst. Die habe ich dann einfach in die Erde gesteckt, immer wieder einmal einen Eimer Wasser drübergeschüttet und siehe da, es wurde nicht braun und es starb nicht, was ich eingesetzt habe.

Lila

Nur zwei Jahre später blüht es.

rosa

 

Auch in rosa. Das war keine Gärtnerkunst. Aber es sieht so aus, als wäre es das. Doch, auf meine Hortensien bin ich ein bisschen stolz.
Wenn es jetzt wieder eine Kleinigkeit wärmer werden würde, auf dass ich mich in den Garten auf meine Stresslessliege mit Kuschelauflage niederlegen könnte, die seit kurzer Zeit bei mir wohnt, weil im elterlichen Garten dafür kein Platz mehr ist und ich selbst nie auf die Idee käme, mir so ein Gerät für teuer Geld selbst zu kaufen, weil es etliche Dinge gibt, die dringender erstanden müssen, wie zum Beispiel ein großes Bett für Killerdog, der immer mit den Füßen am Fußende anschlägt und mit dem Kopf am Kopfende, weil er eigentlich noch in einem Bett schläft, dass zwar wunderschön, aber für Pubertisten keinesfalls mehr geeignet ist (wo war ich jetzt? Immer das alte Problem des Fadens!), dann könnte ich mich einer intensiven, meditativen Betrachtung der Hortensien hingeben.

Und weil alles ist, wie es ist, fahre ich jetzt in ein wohlbekanntes Möbelgeschäft. Damit Kilerdog weiter wachsen kann und nicht mehr nachts ins Bettkorsett gepresst wird. Kinder brauchen mitunter ein bisschen mehr Aufmerksamkeit als Hortensien und Erdbeeren.