Natürlich kann man den ganzen Sonntag verbummeln. Das ist doch auch eine gute Sache. Nicht aus dem Schlafanzug rauskriechen, von einer Ecke in die nächste Kugeln, ein Buch lesen und hin und wieder in den ungewaschenen Haaren wuscheln.
Als Krönung am hellichten Mittag den Fernseher anschalten und in der Welt von Downton Abbey abtauchen.

Aber nein. Hier kommt Superwoman!!!

Ich habe Muffins gebacken, genäht, spaziert, tausend kleine Dinge erledigt.

Genäht habe ich diese Tussnelda:

Madmoiselle Erdbeere

Der ehrgeizige Plan ist es, für den einen oder anderen Basar bei den Waldorfs Jahreszeitentischgarnitur herzustellen.
Darum habe ich geschaut, ob ich nach zehn Jahren Blumenkinderpause überhaupt noch in der Lage bin, solche zu nähen.
Ich finde das kleine, dicke Erdbeerfrollein niedlich. Jetzt mache ich Pläne, wieviele wovon ich nähen will.
Auf jeden Fall einen König Winter, oder? Der muss sein. Oder Maria und Josef. Das könnte ich auch nähen.
Dazu höre ich blutige schwedische Krimihörbücher, da tanzt die Nadel wie von selbst und der Josef ist ruckizucki fertig.

Und beim Spazieren mit dem Hund, fand ich einen Stein.
Ich war ein bisschen erregt beim Spazieren, weil ich mich echauffieren musste über meine häuslichen Verhältnisse und die dort vorherrschende Arbeitsteilung. Es gibt nämlich einen signifikanten Unterschied zwischen mir, wenn ich drei Stunden im Stübchen bin, und dem Gutfrisierten, wenn der drei Stunden in seinem Stübchen ist.

Er wird nie von Kindern gestört, wohingegen bei mit im Halbstundentakt trotz Pubertät und allem einer von den Pubertisten am Tisch steht und mir dringend wichtige Dinger erzählen muss.
Und wenn der Gutfrisierte wieder aus seinem Stübchen kommt, dann ist im Haus alles palletti. Alles ist erledigt und alle Verpflichtungen sind abgearbeitet. Entweder von mir selbst, oder ich habe deligiert.
Komme ich aus dem Stübchen, sitzt der Hund mit Tränen in den Augen an der Tür und muss dermaßen dringend pinkeln, dass mir von Zuschauen der Schweiß ausbricht. Die Spülmaschine will endlich das saubere Geschirr loswerden und das Badezimmer wurde quasi gesprengt.

Wie ich also so dezent aufgeregt mit dem erleichterten Hund durch den Wald schlappte, fiel mir er hier ins Auge:

Stein der Weisen

Ich nahm ihn in die Hand und hielt ihn mir so vor das Gesicht, dass ich mit meinen altersfehlsichtigen Augen, die das dringende Mitführen einer Lesebrille erzwingen (aber doch nicht im Wald!!) verschwommen ihn entdeckte:

Sprich zu mir.

Handelt es sich um den Stein der Weisen? Hat er mir etwas mitzuteilen? Kann er aus dem Haufen Scheiße, der mein Leben manchmal ist, einen Klumpen Gold machen?
Ist es Che Guevara oder der King?
„Sprich, was soll ich tun?“. flüsterte ich ihm entgegen.
Der blöde Stein rülpste mir ins Ohr und somit war geklärt, dass es sich um einen pubertierenden Stein der Weisen handelt. Somit besteht keinerlei Aussicht auf eine gescheite Unterstützung seinerseits.

Gut, dann warte ich halt. Wie lange dauert eine Weisheitssteinpubertät im Schnitt?
Weiß das jemand?
Wenn man das vom Menschen auf den Stein überträgt, dürfte es sich gefühlt um tausend Jahre handeln. Das schaffe ich vermutlich nicht. Also mache ich das Beste aus der Kacke.

In diesem Sinne, schönen Sonntag Euch allen.