Brot

Morgens um sechs Uhr und zehn Minuten ist das eine Frage, die der sofortigen und elementaren Klärung bedarf. Ist die stete Anwesenheit von Toastbrot ein Menschenrecht?
Oder kann im Zweifelsfalle auch mit Graubrot, Knäckebrot oder Vollkornbrot vorlieb genommen werden?
Nun, darüber herrschen einige rechtliche Unklarheiten. Die seit Neuestem arbeitende Bevölkerung ist der festen Überzeugung, Graubrot, Knäckebrot, Dinkelbrot und Konsorten sind eine Verletzung seines im Grundgesetz verankerten Rechts auf freie Frühstückswahl.
Dem würde ich erst einmal nicht widersprechen.
Aber es steht auf keinen Fall im Grundgesetz, dass eine Mutter dazu verpflichtet ist, für die ununterbrochene Versorgung mit wabbeligen Weißbrotscheiben verantwortlich zu sein. Erst recht nicht in der Früh vor acht.

Der dazugehörige Dialog war für diese Uhrzeit unangebracht, denn Rechtsfragen sollten nicht vor dem zehnten Glockenschlag erörtert werden.
Das kann zu Verwicklungen führen, die höchst unschön sind und zu Worten, die hinterher bereut werden. Oder auch nicht, wenn man mit der Sturheit einer Dampflock davon ausgeht, immer im Recht zu sein.
Ein kleiner Einblick gefällig?

Sechs Uhr zehn Minuten, mäßig erhellte Küche, ein in Arbeitskleidung gehüllter Fürst, eine in Schlafkleidung gehüllte Mutter, dazu lautes Klappern durch Türauftürzutürauftürzu von Schränken und Kühlschränken, sowie heftiges adliges Atmen.

Mutter: Moin.

Fürst: Tsssss.

M: Wat is?

F: Kein Toast da.

M: Hmpf. Knäckebrot. Graubrot. Joghurt. Müsli. Tiefkühlbrötchen.

F: Eh, ich muss zur Arbeit. Wieso ist kein Toast da?

M: Iss halt was anderes.

F: Ich brauch Toast.

M: Hmpf.

F: Wieso ist kein Toast da?

M: Hmpf.

F: Wenn ich arbeiten gehe, dann brauche ich Toastbrot. Das geht nicht anders. Echt mal. Warum gibt es kein Toast?

M: Du hast es aufgegessen?

F: Ja. Und warum ist kein neues da?

M: Weil Du keins gekauft hast?

F: Warum hast Du keins gekauft?

M: Warum sollte ich das tun?

F: Weil ich arbeiten bin.

M: Das finde ich auch toll, das mit dem Arbeiten.

F: Dann kauf gefälligst Toast….

M: Wie bitte?

F: Du kannst ja wohl mal dafür sorgen, dass hier morgens Toast da ist!

M: Wie bitte?

F: Toast. Hier. Morgens. Verstehste?

Das war der Tropfen zuviel im Fass. Gefälligst macht die Mutter nur folgendes: Sie legt sich sofort wieder in ihr noch warmes Bett, denkt ein paar kleine Unflätigkeiten und über die Menschenwürde der Mutter nach. In Opposition zum Grundrecht auf Toast.

Ich schlief dann wieder ein und buk mir später einen Kuchen.
Nur für mich. Ich Egoschwein.

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