Jetzt tut der Oktober sehr spätsommerlich. Vor wenigen Tagen, es war September, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, war der Wald sehr depressiv. Die Bäume schoben schlechte Laune in Erwartung der monatelangen Nacktheit, die sie doch bald schon wieder überfallen wird. Das Wetter spielte mit und tauchte alles in trübes und nebliges Grau, auf dass sich jeder Spaziergang schon anfühlte, als lauere Sankt Martin mit dem Nikolaus hinter der nächsten Tanne.
Verstärkt wurde das Gefühl von Printen und Spekulatius. Da ich aber kein willenloser Mensch bin, ignoriere ich die Plörren, die versuchen, mich kurz vor der Ladenkasse anzuspringen.

Aber heute? Feiertagswetter. Tag der deutschen Einheit. Die Sonne scheint, der Himmel strahlt, warm und wohlig ist es draußen. Die Wäsche trocknet auf der Spinne, vielleicht ein letztes Mal, bevor sie im muffigen Keller die kommende Monate vor sich hin klammt. Man kann sogar ein Kaltgetränk zu sich nehmen und den Gutfrisierten dabei beobachten, wie er dem hysterischen Apfelbaum die Äste absägt.
Ein Schreckmoment gab es, als sich seine Hand zwischen abgesägtem Ast und Leiter verkeilte. Nun sieht er aus, als habe er sich bei den obskuren Christusspielen auf den Philippinen als Jesus zur Verfügung gestellt.
Merke, wenn ein Mann auf einem Bein durch den Garten hüpft und nicht berührt werden möchte, hat er schlimme Schmerzen. Dann braucht man auch nicht mit einem Kühlpäckchen vorbeizukommen und mitfühlende Worte kann man sich sparen, es wird mit wütenden Reaktionen vergolten.

Wie ich also in diesem herrlichen Wetter im Garten stand, gab der Sommer noch einmal alles, bevor er sich bald sterbend zur Seite neigt und den Herbst vorbeiziehen lässt.

Freunde

Bei diesem Bild staunt man doch, oder? Also ich. Obwohl ich es gemacht habe.
Ich stand nämlich neben dem Apfelbaum, dem dammischen Mistvieh, dem dammischen, wollte den wieder auf die Leiter gestiegenen Gutfrisierten ein bisschen im Auge behalten, der nämlich, in seiner Mannesehre gekränkt durch diesen hinterhältigen Apfelbaumanschlag auf seine Handgesundheit, dem Apfelbaum zeigen wollte, was eine Retourkutsche ist.
Während also gesägt, geflucht und gerissen wurde, flatterte urplötzlich der Admiral an mir vorbei.

Ich schickte das Wolkenköpfchen nach meinem internetfähigen Smartphone, um ein Foto machen zu können und beobachtete, wo sich der stolze Falter hinhocken würde. Als dann das Wolkenköpfchen kam, drückte ich auf den Auslöser. Ungefähr fünfzigmal, in der Hoffnung, ihn doch zu erwischen, er hatte sich nämlich recht weit oben niedergelassen. Im frischerblühten Efeu saß er, inmitten von Bienen. Und ich knipste und knipste. Als ich mir, nachdem der Falter wieder entschwand, die Bilder auf dem Computer anschaute, waren die Fotos dergestalt:

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Schon klar, welche Freude mich durchzuckte, als ich dieses eine Foto entdeckte, dieses eine von fünfzig, auf denen der Admiral bei einem Plausch mit der wild flügelflatternden Biene über die Qualität der Efeublüten zu sehen ist. Viel bringt viel, alte Salbenweisheit meines Vaters. Bei digitalen Aufnahmen unterschreibe ich das ab sofort.

Wenn jetzt der Gutfrisierte noch den restlichen Nachmittag nicht von der Rache des Apfelbaums getroffen wird, dann ist es ein sehr schöner Tag, zumal mein Wolkenköpfchen über das Wochenende zuhause ist.

Und gleich gibt es auch noch Eis im Becher.