Nu ist schon nahe am Mittag und mein Kopf macht Geräusche. Innen drinnen knistert es. Irritierend. Und eine allgemeine Schwäche führt dazu, dass sich mein Gefühltgewicht verdreifacht hat. Ich vermute, so ist es, wenn man aus der Schwerelosigkeit des Alls auf den Planeten zurückkehrt. Man wiegt schrecklich viel.
Salbeiteegurgeln ist eine Plage und es schmeckt einfach beschissen, da beißt die Maus kein Faden ab. Auch das Getröpfel aus der Nase ist unerfreulich.
Stündlich verdoppelt sich die Virenpopulation und macht mich fertig.
Trotzdem eile ich gleich noch in einen naheliegenden Supermarkt. Aber nicht, um den wochenendlichen Großeinkauf zu tätigen. Der kann mich mal, unten liegt noch Tiefkühlpizza. Nein.
Ich brauche Eis.
Viel Eis und vor allem leckeres Eis. Dass ich mir das eigentlich nicht leisten kann, für einen Becher Eis fünf Euro rauszuhauen, das ist mir heute so dermaßen wurscht, das glaubt mir keiner.
Und ich will einen Liter Orangensaft. Möglicherweise auch Multivitaminsaft.
Dazu eine Tüte Chips.
Und Lakritzlutscher und Veilchenpastillen.
Dass ich davon nicht so wunderbare Geschmackserlebnisse haben werde wie sonst, das ist mir egal. Ich schmecke halt nur die Hälfte. Aber man muss sich auch mal mit weniger zufrieden geben.
Auf jeden Fall will ich all diese Sachen haben. Ich will, ich muss, es ist überlebensnotwendig. Ich vermute nämlich, dass sich bald eine allgemeine Erhöhung der Betriebstemperatur einstellt und ich dann bedauerlicherweise freiwillig das Bett hüte. Fieber tritt recht schnell recht hoch auf, in meinem Organismus. Und zwingt mich in die Knie.
Vorboten sind besagtes Knistern und das temporäre zusätzliche Übergewicht.

Wenn ich also jetzt nicht in die Puschen komme, dann wird das nichts mehr.

Andere Leute schicken? Hahahahaaaa, haahaahaaaaa und hahihihaha.
Die kommen dann mit Billigvanilleeis und Erdnussflips hier an. Das täte ich nicht überleben. Selbst wenn ich explizite Einkaufszettel schreibe, heißt das nicht, dass meine Wünsche Erfüllung finden. Nein. Besser selbst drum kümmern und dann endgültig abschmieren, und das wenigstens mit Stil und Markengeschnuckel.
Außerdem kann ich noch leidend in die Apotheke schlurfen und mir einen Liter Nasentropfen besorgen. Da kriege ich Taschentücher gratis und endlich bemitleidet mich jemand aus tiefster Seele. Ich kaufe vielleicht auch noch eine Tüte Brustkaramellen. Damit erspare ich mir eventuell eine Bruststraffung, dafür sind die doch, oder?

Und vermutlich finden meine Viren mehrere neue Heimaten. In der Nase von dem ollen Trottel, der mir den Einkaufswagen in die Hacken semmelt oder im Kopf der Tusnelda, die ihre Kinder quer durch den Laden anplärrt, sie seien die Seuche. Da hätten die Kinder bestimmt was von.
Ich überlege aber, ob ich nicht besser eine Staubmaske anziehen soll. Falls ich Patient Zero irgendeiner wie auch immer gearteten Virenmutation bin und die ganze Sache unkontrollierbare Ausmaße annehmen könnte. Wie bei World War Z. Ja, habe ich mir angeschaut. Es geht nichts über Zombies!
Wenn ich jetzt ganz sorgfältig in mich reinhöre, doch, ich vermute, ich bin bis heute Abend dieser Spezies zuzurechnen.