Es hat geklingelt. Wer das wohl ist?
Ich vermute ja, es ist die Fee. Die mit den drei Wünschen.
Man macht die Türe auf, sie steht da mit ihren adretten Flügelchen, den kurzen Locken, der frechen Stubsnase, trägt, entgegen allen Klischees jedoch kein rosa Tütü sondern fesche Armeetarnkleidung, was stutzig werden lässt.
„Du hast drei Wünsche frei, aber denke gut nach, bevor Du sie äußerst, denn Du kennst ja die Witze über die verkackten Wünsche.“
Es wird einem Angst und Bange, weil man natürlich Wünsche hat, aber nie über die Umsetzung nachgedacht hat. Oder darüber, was die Wünsche bringen können.
Und welche Wünsche will man anbringen? Die ollen Kamellen, wie zum Beispiel „Mach, dass ich ein erfolgreiches Buch schreibe und veröffentliche“? Und was käme raus? Das Buch wird nächste Woche geschrieben, übernächste Woche veröffentlicht und kommt zu Weltruhm. Im Jahre zweitausendeinhundertdreiundzwanzig.
Oder „Mach, dass ich eine glückliche Kindheit hatte“? Das ist ein dämlicher Wunsch, dann wäre ich heute ein ganz anderer Mensch, ich hätte vielleicht viel Geld, wäre skrupelos und würde in der Rüstungsindustrie arbeiten und die AfD oder Schlimmeres wählen.
Ich könnte auch bei aktuelleren Dingen Wünsche äußern. „Mach, dass dieser Scheißschnupfen und Nebenhöhlenmist weg ist und ich gesund bin“
Und zack, wäre ich gesund, nur um mir Morgen vor Tau und Tag PolioDiphterieTetanus einzufangen, weil ich, anstatt genesend im Bett zu liegen, im Supermarkt war und dort auf Unmengen von Krankheitserreger getroffen wäre.
Oder ich täte sagen „Mach, dass all diese Schmerzen weg sind. Im Rücken, im Kopf, auf der Haut, in den Zähnen, an den Rippen, alles weg.“
Und die Fee zieht eine Achtunddreißiger unter dem Arm hervor, knallt mich ab und alle Schmerzen sind weg. Für immer.

Nein, das ist gefährlich, sich auf Feen einzulassen.
Aber halt, es gibt doch einen Wunsch, der unverfänglich ist. Und der sicher ist. Da dürfte nichts schlimmeres passieren.

Klopapier leer? Shit happens.

Ich täte mir wünschen, dass wo auch immer ich auf ein Klo muss, vor allem aber hier zuhause, das Klopapier niemals leer ist. Ein echter Herzenswunsch.

ja, das ist es. Bedauerlicherweise, habe ich zu lange gezögert, zur Tür zu gehen. Denn jetzt ist keiner mehr da. Ich werde damit leben müssen, mich krank und frustriert ins Bad zu schleppen und dort wegen der leeren Klopapierrolle einen nervlichen Zusammenbruch zu erleiden.