Ich bin im Novemberblues.
Um mich herum röchelt es und leidet. Der eine hat Bauchbeschwerden, der andere hat Bronchienprobleme, alles mal mit und mal ohne Fieber, es ist zum Steine erweichen. Oder zum Hirn erweichen. Meines ist jedenfalls sehr weich. Butterweich. Und weil es noch dazu sehr wenig Licht hat, viel Grau und die Stimmung insgesamt recht trübe daherkommt, habe ich den Blues.

Ich meine, wenn man durch den Wald geht und dann fällt der eh schon trauerumflorte Blick auf dieses:
Verrotteter Farn

Da kommen einem doch die Tränen, oder?
Alles rottet vor sich hin und haucht den letzten Odem in die Atmosphäre. Da möchte ich mich danebenlegen und leise heulen.
Weil das aber zu auffällig ist und sicher der nächstbeste Hundebesitzer sofort ein Rettungskommando herbeiruft, latsche ich weiter und weiter, betrachte den abgeranzten Wald und würde auch so gern vor mich hinfaulen, anstatt dauernd derjenige zu sein, der als Einziger, nein, die als Einzigste wie man es im Rheinland trefflich sagt, als Einzigste noch über einen Zustand verfügt, der Spazierungen erlaubt. Wobei ich dafür schon sehr dankbar bin. Aber ich will nicht dauernd durch den Scheißwald. Wirklich. Der ist im Moment so unheimlich.

Was ist das für ein Vieh?

Was passiert, wenn man von einem Rudel dieser ausserirdischen Erscheinungen angefallen wird? Ruckzuck hat man eine Sonne hintendrin. Ach nein. Eine Sonde. Ausserirdische implantieren Sonden, keine Sonnen. Die täte ich ja noch nehmen. Eine Sonne, die mir aus dem Arsch scheinen würde. Ich wäre der hellste Stern am…, ja, ist gut.

Es ist wirklich gruselig im Wald.
Schaumbaum

Es läuft einer herum und schäumt die Bäume an. Oder die Bäume fangen höchstselbst das Schäumen an. So ein seltsamer Rotzschaum. Pfui.

Oder hier:

Finsterwald

Abgesehen vom Speckfinger, der oben links mal wieder im Weg ist, wirkt das doch, als wolle der Wald ein Opfer, ein Menschenopfer, sonst gibt es richtig was auf die Moppen. Und da muss ich jeden Tag mehrfach rein. Bisher habe ich es einigermaßen glimpflich überstanden, aber das geht nicht jedem so. Im Moment sind sogar die Mäuse psychisch auffällig, wirklich. Ich will nicht wissen, was mit dieser hier passiert ist.

Maus

Anstatt wegzulaufen dreht die sich in Positur und macht dem Hund Angst. Und mir auch. Hockt da und beschimpft uns auf das Übelste, faucht und kreischt. Wir sind dann schnell weiter, wer weiß, wozu so eine Ninja-Maus fähig ist!

Der Herbst geht mir irgendwie auf den Nerv. Also dieser Herbst. Noch immer werden die Tage kürzer und kürzer. Wo soll das hinführen? Dahin, dass sie wieder länger werden, aber das dauert noch so lange. Bis dahin haben sich die Bronchialakrobaten hier um den Verstand gehustet. Und mich gleich mit. Pilzchen in Ehren

Vielleicht würde ein Fliegenpilzsud helfen?

Wenn man aus dem Wald herauskommt und am bekloppten Löwen, der als Bronzestatur im Bürgerpark herumliegt, vorbeigeht, dann bekommt man aber vom Herbst richtig einen ins Auge. Und da lohnt er sich dann. Das ist das Farbaufbäumen vor dem Winter, vor grau-braun-dunkelbraun-sehr-dunkelgrau.

Feuer

In einem Vorgarten steht der Busch und errötet. Das ganze Jahr sieht er so unscheinbar aus, aber der Herbst, der gibt ihm eine Ausstrahlung vom Allerfeinsten.
Bedauerlicherweise steht daneben eine Mauer. Eine Mauer aus Gitterdingern mit grauen Steinen befüllt. Grobem Schotter. So hässlich. Aber das guckt sich bei der Farbenpracht weg.

Ein kurzes Aufflackern von etwas besserer Laune bis man dann das Haus betritt, erst einmal alles mit Mullematsche paniert und dann auf der Treppe das typische Herbsttier erblickt, dass sich immer dann einnistet, wenn die Temperaturen sinken.

HerbstgetierJa, es ist natürlich in Echt nur eine Pubertistenjacke. Seit wievielen Jahren sage ich eigentlich: „HÄNG DIE JACKE AUF!!!!“?
Es sind schon zu viele.

Darum mache ich jetzt immer folgendes: Sobald meine triefenden Augen eine Herbsttierjacke auf der Treppe erblicken, schnappe ich mir diese und mache soviel Knoten hinein, wie es nur irgend geht. In die Ärmel, in die Kragen, ich verknote, was sich verknoten lässt. Dann lege ich sie wieder hin. Und warte. Auf das Schnaufen und Mosern. Und das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.
„Sehr lustig.“, war der erste abgebrühte Kommentar.
„Kannst du das lassen?“, der zweite.
„Hör auf damit!“, kam es beim dritten Mal ärgerlich.
„Hör du doch auf. Hängst du die Jacke auf, hat sie keine Knoten, die du morgens früh auf die Schnelle auseinanderpulen musst. So einfach, das Ganze!“
Ja, so einfach. Nein. Nicht. Aufhängen ist schwieriger als man glaubt. Also wird weiter ins Herbsttier geknotet.

Übrigens hat der Herbst seinen Einkaufszettel im Wald verloren. Und ich frage mich, was er vorhat.

Der Herbst geht einkaufen.Wein, Nudeln, Käse, macht der italienische Woche?
Und heißt das 1xgroßer Hamster?
Außerdem, Bananen im Herbst, ich denke, Mandarinenzeit muss doch genutzt werden, oder nicht?

Ich warte auf den Sommer. Auf den Frühling.
Wobei, das dicke Ende kommt noch. Das Schlimmste steht noch an. Schlimmer geht immer.
Schlimmer geht es nicht, sagt der Pessimist. Und ob!! ruft der Optimist.

Das dicke Ende kommt noch