Die Frage stellt sich doch, wenn man vor lauter Novemberblues meint, man müsse dem Auto auch einmal etws gönnen.

Putzen

Die Waschstraße bietet die Möglichkeit, dem Auto eine Massage zukommen zu lassen.

Wasser und Schaum

Wasser und Schaum werden geschmeidig auf dem Fahrzeug verteilt. Es mutet fast wie ein Feuerwerk an. Schön ist auch, wenn man ganz allein im Auto ist. Denn früher provozierte der Waschstraßenbesuch bei dem ein oder anderen minderjährigen Phobiker Beinahezusammenbrüche. Allein kann man das Schauspiel wunderbar genießen.

Feudeln

Grüne und blaue Bürsten schrubben und wienern und wischen und waschen, während ich mich zurücklehne und gemütlich ein Pfefferminzbonbon lutsche. Platzangst in der Waschstraße, was für ein Unfug. Die Waschstraße verspricht fünf Minuten Ruhe und Frieden. Maschinen bei der Arbeit zusehen. Dabei leise musikalische Untermalung, die zur Entspannung beiträgt.

Spül-Effekte

Wunderbare Spül-Effekte versetzen mich in einen transzendentalen Zustand und ich sehe Formen und Farben, erkenne Muster und bin in meiner Tiefe mit dem Universum verbunden und eins.
Der Atem fließt durch meine Nase in den Körper und erfüllt alle Zellen mit Sauerstoff und einem Hauch Zitrus, der bei genauerem Nachschnüffeln leider nur unzureichend den Geruch nach Furz-Ei übertüncht. Aber wer will sich schon mit damit beschäftigen, wenn er Entspannung beim beruhigenden Gewische haben kann.

Ausgang

Dann nähert sich das Ende der Reise und das Waschförderband wird mich in wenigen Sekunden ausspucken. Also noch schnell weiter entspannt, bevor die Welt mich wieder zurückbekommt.

Das Auto ist glücklich und zufrieden, ich bin erholt und locker, trotzdem stellt sich die Frage nach dem Sinn der Übung. November. Schnodder auf der Straße. In den nächsten zweieinhalb Wochen hunderte zu fahrende Kilometer. Das Auto wird nur kurz blitzen und blinken. Ist das rausgeworfenes Geld?

Ich möchte diese Frage selbst beantworten. Nein. Ist es nicht. Es ist schön. Es ist einfach nur schön. Und darum ist es egal, dass die Karre vermutlich morgen schon wieder aussieht, als hätte es die Nacht im Wildschweingehege verbracht.
Sauberkeit ist nicht das Einzige, was einem in der Waschstraße gegeben wird.

Ich hätte gern eine eigene Waschstraße. Es muss ja nicht eine so große Waschstraße sein. Eine kleine Waschstraße täte es auch. Würde mir völlig genügen.
Einmal am Tag.
Für Dinge wie das hier:

Braucht eine Waschstraße

Das habe ich gefunden. Unter dem Bett des Hochadels. Da braucht es mehr als etwas Wasser. Mehr als eine Spülbürste. Es braucht eine Waschstraße. Dringend. Zu meiner eigenen Beruhigung und zur Erhaltung der allgemeinen Sicherheit.