IMG_0094Sachen gibt es, die gibt es gar nicht.
Zum Beispiel Telefonate mit Sachbearbeitern, wo man annehmen möchte, als Sachbearbeiter sollte man von der Sache Ahnung haben.

„Guten Tag, Lavendel hier. Ich wollte man fragen, was aus dem Gutachten zu dem Krankenhausdrama vom Fürsten geworden ist. Immerhin ist es jetzt zwei Jahre her, dass wir alle Unterlagen, Operationsberichte und lustige Aufnahmen aus der radiologischen Abteilung an die Gutachterkommission schickten.“
„Ja, guten Tag auch. Gerade eben habe ich einen Brief für Sie losgeschickt…!“
„Ach, was für ein Zufall. Gerade heute? Das gibt es ja gar nicht. Was steht denn drin, in Ihrem Brief?“
„Es ist eine nicht so gute Nachricht. Der Gutachter erstellt das Gutachten nicht.“

Ja, ist das denn dann überhaupt ein Gutachter? Und was ist das für eine Art, einfach nach zwei Jahren zu sagen, macht man doch nicht. Ätsch.

„Jetzt suchen wir einen neuen Gutachter.“
„Das ist sehr erfreulich. Haben Sie eigentlich schon einmal etwas von Verjährungsfristen gehört?“
„Ja, natürlich. Drei Jahre, wenn ich mich nicht irre.“
„Ganz genau. Davon haben wir jetzt schon zwei und knapp ein halbes Jahr verbraucht. Was machen wir denn, wenn Ihr neuer Gutachter auch so sparsam und zeitlupig begutachtet?“
„Also, da kenne ich mich nicht aus.“
„Wie? Aber Sie haben doch täglich damit zutun.“
„Ja, aber die juristischen Feinheiten kenne ich nicht.“
„Und was soll ich jetzt machen?“
„Am Besten rufen Sie im Krankenhaus an und besprechen mit denen das Problem. Die können die Verjährung bestimmt hemmen.“
„Ihr Ernst? Ich rufe im Krankenhaus an, in dem Schuppen, wo der Sohn nur ganz knapp mit versehrter Haut wieder herauskam? Die Hütte, in der er fast das Lebenslicht aushauchte und denen ich unterstelle, da etwas eklatant vor die Wand gesetzt zu haben?
Und die sagen dann, wie schön das ist, dass ich anrufe und dass sie selbstverständlich sofort die Verjährung hemmen, weil die total scharf darauf sind, dass ihnen ein Fehler nachgewiesen wird.
Das ist doch Quatsch.“
„Meinen Sie?“
„Aber natürlich.“
„Also, ich weiß es wirklich nicht. Rufen Sie doch einfach im Krankenhaus an und klären Sie das.“
„Ja. Danke. Wiederhören.“

Geballte Kompetenz. Ich bin beeindruckt. Vielleicht ist doch bald ein Anwalt angebracht.
Und dann verklage ich alle. Das Krankenhaus, die Gutachterkommission, die Bundesregierung, die Vereinten Nationen. Alle. Und verhaue jeden, der mir über den Weg läuft. Danach geht es mir sicher besser.