Neulich war mein Haar so pappig. Ich wusch es ausgiebig und einen halben Tag später war es schon wieder klebrig. Oben drauf, auf dem Kopf, dort wo die Mönche ihre Tonsur tragen, die Stelle wegen derer schon manch ein Mann geweint haben soll, da sah mein Haar aus, als hätte ich Pubertät. Fettig. Scheußlich.
Ich fing an, mir mehrere Tage hintereinander täglich den Schädel einzuschäumen und hoffte auf ein baldiges Ende des Spukes, denn normalerweise macht mein Haar so einen Unfug nicht mehr. Zumindest seit ich nicht mehr in Fritösen-Läden arbeite. In Küchen kann das passieren, dass nach einem ausführlichen Pommestag das Haar strähnt. Im normalen Leben bin ich damit durch.
Aber das Haar babbte und klätschte. Und ich war immer erstaunter darüber. Ich knödelte das Haar zusammen, ich ließ es offen, ich trug Zopf, ich trug Mütze, das Haar klebte.
Dann fragte ich einmal nach, woran das denn liegen könnte. Wen ich fragte? Nun. Wenn ich eine Frage habe, stelle ich sie immer zuerst mir selbst. Ich setze mich hin und sinniere ein wenig über die Frage. Und wie schon hin und wieder einmal geschehen, tauchte auch dieses mal ein tief versunkener Erinnerungsfetzen auf.
„Nicht immer das gleiche Haarwaschmittel verwenden….“ brummelte es in meinen Hirnwindungen. Ich schnappte mir den Gedanken, hielt ihn fest und betrachtete ihn von allen Seiten. Wo kam er her und wer hatte ihn dort hingetan?
Das war eine Frau, die es wissen muss, macht sie doch schon seit Jahrzehnten genau das: anderen die Köppe waschen. Und schneiden. Und föhnen. Vor allem föhnen. Sie föhnt Frisuren die direkt aus der Achtzigerhölle kommen. Wallawalla werden sie allgemein liebvoll genannt. Meisterlich beherrscht sie ihr Handwerk.
Diese Frau sagte mir irgendwann einmal, dass Haare früher oder später sozusagen die Schnautze voll haben vom Shampoo, mit dem sie ständig gewaschen werden. Vor allem, wenn Glatt-und-rutschig-Macher drin sind. Dann sieht das Haar aus wie nach einem Butterbad.
Und als mir dieser Gedanke wie ein strahlend helles Kerzchen den Kopf erleuchtet hatte, machte ich mich auf in den Drogeriemarkt meines Vertrauens, um für Abhilfe zu sorgen.

Ich stellte mich vor ein Regal, angefüllt mit Haarpflegeprodukten.
Und dann überkam mich ein Gefühl der Traurigkeit. Ach und weh, jammerte ich.
Was für ein Problem hatte denn mein Haar nun? Fettig? Leblos? Matt? Schuppig? Depressiv? Welches Haarwaschmittel sollte ich nur auswählen?
Nach zehn Minuten dachte ich mir: „Scheiß der Hund drauf. Sensitiv!!“
So schnappte ich mir ein Sensitivshampoo für empfindliches Haar. Ich nahm mir sofort vor, während der Haarwäsche unter der Dusche gleich noch eine kleine sensitive Meditation einzulegen, um mein Haar auf allen Ebenen zu beruhigen. Ich weiß doch, was ich für ein weichgespültes Wesen bin. In der Tiefe meiner Seele. Wobei ich ernsthaft überlege, ob das auch eine Folge der Shampooverklebung ist.

Da ich nicht die Einzige im Haushalt bin, die sich eitel mit der Kopfbehaarung auseinandersetzt, wurde ich vor meinem Drogeriemarktbesuch darum gebeten, Haarstylingprodukte käuflich zu erwerben. Die drei Herren, die sich im Haushalt stylen (ich vermisse mein Wolkenköpfchen, ich vermisse sie so much, überall Testosteron, das hält doch keiner aus!), äußerten Wünsche. Haarwachs. Oder Gel. Kein Spray. Aber nicht stinkig. Mit dieser detaillierten Auskunft tat ich mein Bestes.

Ohweh.

Ich stellte mich vor dieses Regal und schaute. Und las. Und überlegte. Holte heraus, stellte wieder hinein. Aber ich kam nicht hinter die Geheimnisse der Produkte.
Powder, Power, extra strong! Oder Shockwaves? Extreme styling? Vital? Mega forming? Ultra? Diamond? Exzess?

„Leck mich am Arsch!“, dachte ich nicht ganz so leise wie ich wollte und das junge Ding neben mir sprang erschrocken zur Seite, schnappte sich eine Tube Exzess und weg war sie.
Woher zum Geier soll ich wissen, welches Stylingprodukt angebracht ist?
Und an allen riechen ist keine Option. Seit ich mir einmal bei den Duschgels eine Nase voll Gel bis in die Nebenhöhle gezogen habe und sofort danach nahezu verendend im Duschgelgang zusammenbrach, schneuzend und röchelnd, und meine Augen noch Stunden später tränten, bin ich vorsichtig geworden, was das Schnüffeln an Artikeln im Drogeriemarkt angeht.

Brillcreme. Oder? Glänzende Glitsche für alle. Ich sah eh schon so aus, als hätte ich davon ein Pfund auf dem Kopf.
Und? Was tat ich?
Genau gar nichts. Ich packte mein Sensitivshampoo für empfindliche Haare und Menschen, bezahlte und verließ die Örtlichkeit.
Die sind wohl alle drei alt genug, sich selbst um ihr Styling zu kümmern. Dann sollen sie gefälligst die Utensilien dafür auch selber kaufen. Diese Pluschköppe.