Der Scherzkeks. 

Der Scherzkeks ist eine arten- und verhaltensreiche Untergruppe der Witzbolde. Sein Vorkommen ist ubiquitär.

Merkmale

Scherzkekse gibt es in allen Formen und Ausprägungen. Beiderlei Geschlechts vorkommend, sind sie in der Regel zwischen zwölf und einundzwanzig Jahre alt, es wurden aber auch schon Scherzkekse mit einem Alter von über fünfzig Jahren gesichtet. Sie verändern ihr Größe. Beginnend bei ungefähr einem Meter und zwanzig gibt es Exemplare, die annähernd zwei Meter groß werden können. Andere wiederum erreichen knapp die einsfünfzig, wobei sich dies auch signifikant auf ihr Verhalten auswirkt, besonders bei den männlichen Exemplaren.
Der klassische Scherzkeks schmückt sich mit uniformer Kleidung, welche in ausgewählten Läden käuflich erworben werden muss. Von Generation zu Generation verändern sich hier die Bekleidungs-Vorlieben der Scherzkekse, kehren aber gern auch sprunghaft in die Vergangenheit zurück, wobei jede neue Scherzkeksgeneration von sich behauptet, das Rad und die Schlaghose erfunden zu haben.
Der Kopfschmuck des Scherzkekses ist ebenso wie die Kleidung einem modischen Wandel unterworfen, wobei sich Untergruppen bilden. Die männliche Alda-ischbinbabo-Gruppe trägt das Haar an den Seiten sehr kurz und obenauf ein bisschen gegelt in Kombination mit leichtem Gesichtsgestrüpp. Dazu wird eine Schirmkappe auf dem Kopf balanciert. Die dazugehörige Gruppe der Weibchen trägt das Haar gern sehr glatt und lang das Gesicht einrahmend, wobei besondere Sorgfalt auf vorgewölbte, stark gerötete Lippen gelegt wird (Entenschnabelmaul).

Vorkommen

Das Vorkommen von Scherzkeksen ist, wie bereits erwähnt, ubiquitär. Scherzkekse gibt es überall auf der Welt und sie sind auch keinesfalls, trotz anders lautender Schreckensnachrichten, durch G8 und Klimawandel vom Austerben bedroht. Bevorzugt findet man sie im Rudel.

Verhalten

Der Scherzkeks heißt nicht umsonst Scherzkeks. Seinen Namen hat er auf Grund seiner Verhaltensorginalität erhalten.
Ein Scherzkeks im Haus lässt sich leicht erkennen.

Badezimmer:
Eine rutschige Duschwanne ist ein eindeutiger Hinweis auf das Vorhandensein eines Scherzkekses. Er ist nämlich nicht in der Lage, die Duschwanne nach dem Duschen mit klarem Wasser nachzuspülen, so dass Seifenreste antrocknen und dem folgenden Duscher nach den ersten Wassertropfen aus der Brause eine feine Rutschparty verschaffen.
Das häufige Fehlen von Toilettenpapier ist hinweisend aber nicht beweisend, dass ein Scherzkeks vor Ort war. Wohingegen das Auffinden der folgenden Situation als ein klarer Beweis für Scherzkeksbefall zu sehen ist.
Scherzkekserfindung

Das ständige, literweise Verschwinden von Waschflüssigkeiten zeigt die Anwesenheit eines potentiell sehr reinlichen oder aber sehr durstigen oder einfach nur verschwenderischen Scherzkekses an.

Küche:
Wenn fünf Minuten nach dem Verlassen einer hygienisch mehr oder weniger einwandfreien Küche ein Zustand herrscht, als habe sich eine Horde wildgewordener Mongolen Spiegeleier auf offenem Feuer in der Spüle gebraten und anschließend ein Saufgelage abgehalten, liegt der Verdacht nahe, es seien Mongolen im Haus gewesen. Da aber die Mongolei recht weit entfernt ist und die Vorstellung, diese würden ihre Eier nur über offenem Feuer im Waschbecken braten, ein eindeutiges Vorurteil ist, handelt es sich mit absoluter Sicherheit um einen Scherzkeks.
Scherzkekse haben die Eigenschaft, ihre Umgebung ihrem Inneren anzupassen und schrecken dabei keinesfalls vor der Zerstörung der öffentlichen Ordnung zurück.

Keller:
Im Keller zeigt sich der Scherzkeks an unterschiedlichen Stellen. Am Vorratsschrank lassen verschwundene Apfelkompottgläser und leergefressene Müsliriegelschachteln vermuten, dass ein Scherzkeks dagewesen sein könnte. Auch das plötzliche Verschwinden von Flaschen mit ausgesuchten Getränken (häufig Limonaden, Säfte, Cola, seltener Bier, aber das ist von Haushalt zu Haushalt verschieden) ist hinweisend.
Herumliegende Sportschuhe mit starkem Eigengeruch und aus Regalen gezogene und achtlos zu Boden gegangene Gegenstände wie Aktenordner oder Schneeanzüge lassen annehmen, dass ein Scherzkeks vor Ort war.
In der Waschküche ist eine mit einer Jeans, einem Paar Socken und einer Unterhose befüllte, laufende Waschmaschine ein Indikator für Scherzkeksbefall. Beweisend ist ein erhöhtes Schaumaufkommen durch dreifache Waschmittelmengen.

Flur:
Mitten im Flur abgestellte Taschen, Schuhe oder Jacken sind ebenso ein Beweis wie Unterhosen, Socken und Sportleibchen auf der Treppe.
IMG_3891 IMG_3892Hört man den Ausruf: „Welcher Scherzkeks hat die Tasche auf die Treppe gestellt?“, weiß man, ein Scherzkeks war da, zumal wenn der Ausrufer mit schmerzerfüllter Stimme ruft und anschließend um Hilfe bittet, weil er kopfunterfußüber am Treppenende liegt.

Scherzkekszimmer:
Hier kann man sich auf die Lauer legen, um Scherzkekse in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Wobei die Tür zu diesem Habitat stets geschlossen gehalten wird, was durchaus von Vorteil ist, weil der Scherzkeks in einer Symbiose mit anderen Tierchen lebt. Hier seien nur Staubmäuse und Wollelefanten, Fruchtfliegen und Kakerlaken, Spinnen und Stechmücken genannt. Fällt der Blick jedoch durch einen Spalt der Tür und man hat die Möglichkeit, einen Blick auf den Scherzkeks zu erhaschen, findet man ihn in der Regel liegend vor. Rückenlage, mit stierem Blick auf ein kleines, flaches Gerät in seiner Hand und wild zuckenden Daumen (internetfähiges Smartphone, so die Vermutung einiger namhafter Scherzkeksforscher).
Fragen nach dem perönlichen Befinden oder gar seiner Umwelt (Schule, dringende Erledigung etc.) werden von Scherzkeks nicht gehört, da die Ohren des Scherzkekses nur bei bestimmten Frequenzen funktionieren (Kollegah, Haftbefehl, Kay One etc.).

Wohnzimmer:
Hier wird man den Scherzkeks auf seinen Wanderungen sehen können. Vom Scherzkekszimmer zur Küche und zurück, zum Klo und zurück, zur Tür und zurück.
Auf die Frage: „Hast du geraucht?“, gestellt wegen des penetranten Kippengeruchs, den der Scherzkeks hinter sich herzieht, stellt die Antwort: „Nö.“ einen Beweis für scherzkeksiges Verhalten dar. Wobei diese Frage gern von Naivlingen gestellt wird. Mit dieser Gattung befassen wir uns ein anderes Mal.

Der Scherzkeks ist immer und überall. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als über den Scherzkeks zu lachen, sonst wird man des Wahnsinns fette Beute.
Auch wenn einem das Lachen manchmal im Gesicht festfriert ob der Unverfrorenheit der Scherzkekse (Wegfressen von Schokolade, offengelassenes Tiefkühlfach, zwanzig mehr oder weniger benutzte Handtücher innerhalb eines Tages
Handtucheskalation

).

Irgendwann hat sich der Scherzkeks ausgewachsen. Meistens. Nicht immer. Dann kann ein Humorist entstehen. Wie bei der kleinen Raupe Nimmersatt, die ein wunderschöner Schmetterling wurde.
Oder aber es wird eine Nervenäge, die einfach nicht kapiert, WANN SCHLUSS IST MIT LUSTIG.